Wiedersehen macht Freude

Wiedersehen macht Freude: BMW 316i Compact

Wiedersehen macht Freude: BMW 316i Compact

Wiedersehen macht Freude: BMW 316i Compact

Wiedersehen macht Freude: BMW 316i Compact

Fotos: Marcel Kühler

Vier Jahre sind eine lange Zeit, in der viele Dinge passieren können. Sebastian Schröter nutzte die rund 48 Monate, die zwischen den beiden Fototerminen lagen, dazu, seinen 316i gehörig auf den Kopf zu stellen. Wieder einmal, sollte man hinzufügen. Denn bereits Anno 2006 hatte der kurze 3er einige spannende Ansichten fernab jedweder Serienmäßigkeit zu bieten. Stammleser werden dies bestätigen. Gleichwohl hat der Compact in der aktuellen Ausbaustufe ungemein an Dramatik hinzu gewonnen, was vor allem an den immens gewachsenen Abmessungen liegt. Aber der Reihe nach: Der Auslöser des umfangreichen Upgrades war eine Reklamation. Sebastian war mit der Qualität der Arbeit einer früher beauftragten Firma nicht einverstanden. Man bot ihm als Entschädigung einen Breitbausatz zu einem sehr günstigen Preis an. Da die Vorführwagen des Tuners auf den ersten Blick einen guten Eindruck nachten, willigte der junge BMW-Fahrer ein und übergab seinen Compact erneut an den Karosserie-Betrieb – was sich noch als großer Fehler erweisen sollte.

Während Sebastian seinen Wagen in guten Händen wähnte, lernte er über das Auto-Forum ”geilekarre.de” den Kfz-Meisterschüler Holger kennen. Die Leidenschaft für den E36 Compact verband die beiden auf Anhieb. Man tauschte sich aus und Holger erzählte, dass er an seinem 3er ein Motorupgrade mit einem 2,8-Liter-Sechszylinder vorgenommen hatte. ”Ich fand die Geschichte spannend. Wir blieben in Kontakt und chatteten oft miteinander. Eines schönen Tages rief er mich an und meinte, er habe einen Motor für mich, den er mir auch in meinen Wagen installieren würde. Wir besprachen, wie wir den Umbau organisieren wollten. Er hatte im August 2008 Ferien von der Meisterschule und bot mir sogar eine Unterkunft bei sich an. Ihn nahm mir Urlaub und überwies ihm im Vorfeld 2.700 Euro – in der Hoffnung, dass er mich nicht über den Tisch ziehen würde. Wir sind uns bis dahin schließlich nie persönlich begegnet”, erinnert sich Sebastian an die aufkeimende Männerfreundschaft.

Während Holger – der sich als vollkommen vertrauenswürdig herausstellte – alle nötigen Teile für den Umbau organisierte, klärte der gelernte Koch die Übergabe seines BMW mit dem eingangs erwähnten Karosseriebauer ab. Dieser versprach einen lackierfertigen Body abzuliefern. Aber: ”Als ich dort ankam, traf mich der Schlag! Mein Auto war wirklich alles andere als lackierfertig. Ich habe es aber trotzdem mitgenommen, da der Termin mit Holger nicht verschiebbar war.

Außerdem bot er mir bereits an, dass er eventuelle Restarbeiten übernehmen würde”, ärgert sich Sebastian noch heute über die unverschämte Firma. Bei seinem neuen Kumpel angekommen, offenbarte sich das gesamte Ausmaß des Pfusches. Holger stellte sich jedoch als Mann der Tat heraus und rief einen seiner Freunde hinzu: Andy, der hervorragend mit dem Schweißgerät umgehen kann. Andy nahm sich kurzerhand Urlaub, sodass nun mit sechs erfahrenen Schrauberhänden an dem BMW gearbeitet werden konnte. Zunächst kümmerte man sich um die unschönen Nähte, die Andy gekonnt und präzise nachschweißte.

Der Motorumbau geriet unterdessen zur reinen Nebensache. Holger baute in Windeseile sämtliche Komponenten ein. Verschleißteile wie die Wasserpumpe, das Thermostat oder die Zündkerzen wurden dabei genauso wie die Flüssigkeiten gewechselt. Nach nur einer Woche war dieses Kapitel abgeschlossen und die Arbeiten an der Karosserie gingen weiter. Das Trio schliff, flexte, schweißte und hämmerte so lange, bis wirklich alles perfekt war. Anschließend verzinnten sie sämtliche erreichbaren Schweißstellen – 15 Kilogramm Zinn gingen dabei drauf! Aber damit nicht genug: ”Mein Onkel arbeitet bei Standox. Er besorgte mir einen speziellen Rostschutzlack, mit dem wir dann alle Hohlräume und schwer erreichbaren Stellen ausspülten. Nach dem Abtrocknen wiederholten wir diese Prozedur mit einem guten Hohlraumwachs aus dem Oldtimerbereich”, erklärt Sebastian.

Nachdem die massiv in Blech verbreiterten Flanken jetzt endlich seinen Vorstellungen entsprachen, brachte er seinen Compact zu Sebastian Bader nach Frankfurt/Oder. Er sollte das Anpassen der Schürzen und die Lackierung (in ”Mondstein metallic” und Unischwarz) übernehmen. Außerdem erledigte der Kunststoff-Experte die Spachtelarbeiten und richtete die Spaltmaße. ”Ich entschied mich für Sebastian, da er im Umgang mit Blech, GFK und Lack einfach beste Referenzen vorzuweisen hatte. Er hat auch wirklich Top-Arbeit abgeliefert – ließ sich dafür allerdings auch fast ein Jahr Zeit”, streut Sebastian seinem Namensvetter Rosen.

Einen weiteren Experten zog er in Limbach-Oberfrohna zu Rate: Jens Preller. Er zeichnete für den Ausbau des Armaturenbretts, die zahlreichen Plexiglas-Einlagen und die Doorboards verantwortlich. Den Heckausbau mit speziell berechnetem Bassgehäuse hingegen realisierte Chris Spieß, der bei ACR in Bamberg seinem Handwerk nachgeht. Er kombinierte eine Zenec-DVD-Headunit, Hifonics- und ESX-Verstärker, Audio-Systems-Lautsprecher sowie SWS-”Earthquake”-Woofer zu einer homogenen Einheit, die gut klingt und dank des wohltuend zurückhaltenden Ausbaus auch so ausschaut. Darüber hinaus hält der zweisitzige, mit einem Wiechers-Überrollbügel ausgerüstete Innenraum eine komplette Leder/Alcantara-Ausstattung bereit, die auch vor dem Armaturenbrett und der Mittelkonsole nicht Halt macht. Thorsten Wittig aus Penig verarbeitete die Naturhäute und die Mikrofasern Sebastians hohen Ansprüchen gerecht, also akribisch exakt.

Nachdem uns – und hoffentlich auch Ihnen, liebe Leser – das Wiedersehen mit dem auffälligen Compact viel Freude bereitet hat, stellt sich natürlich schon die Frage nach der Zukunft des BMW. Wir gehen einfach mal davon aus, dass Sebastian auch weiterhin gute Ideen entwickeln und diese auch wieder mit Hilfe zahlreiche Freunde umsetzen wird. Wir freuen uns schon jetzt auf ein erneutes Zusammentreffen – vielleicht schon in der kommenden Saison!?

Weitere Infos zu diesem Fahrzeug gibt´s in BMW SCENE Ausgabe 02/11!

Von: Marcel Kühler

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