Schweizer Präzisionswerk

Schweizer Präzisionarbeit: BMW 120d

Schweizer Präzisionarbeit: BMW 120d

Schweizer Präzisionarbeit: BMW 120d

Schweizer Präzisionarbeit: BMW 120d

Fotos: Peter Schulz

Schon Albert Einstein besuchte die Schweiz, um sein Wissen zu erweitern und neue Erkenntnisse zu erlangen. Physiker, Philosophen, Mediziner und heute Wissenschaftler aus der Umwelt- und Klimatechnik lassen die Schweiz als kleines aber starkes Land zwischen Italien und Österreich residieren. Innovation und Präzision sind seit jeher Tugenden, die man in dem Land ohne verfassungsmäßige Hauptstadt anzutreffen wusste. So ist man umso weniger verwundert, dass der Züricher Pascal Seidel in seinem BMW Zutaten aus der ganzen Welt mit höchstem Qualitätsanspruch zu einem Gesamtwerk verarbeitet hat.

Wir schreiben das Jahr 2006, der damals 25-jährige Kundenberater entschließt sich dazu, einen sportlichen Fünftürer der Bayerischen Motoren Werke von einem örtlichen Händler zu erstehen. Der schwarze 120d soll mit den angepassten Work Wheels ”Euroline XS” in 20 Zoll vorerst ein Opus aus Zuverlässigkeit und Fahrfreude für den neuen Besitzer werden. Das solide Fahrzeug begleitet den zufriedenen Fahrer im Sommer des folgenden Jahres treu auf die Tuning World Bodensee. ”Dort hat sich das Blatt gewendet!”, erinnert sich Pascal. Umgeben von den neuesten Trends, extremen Modifikationen und einer Fülle an Ideen lernte er zu allem Überfluss den ”Brusher” alias Peter Rieder aus Ansbach kennen, mit dem er sofort auf einer Wellenlänge war. Beeindruckt von dessen Arbeiten, war für den BMW-Fahrer klar, dass der 1er eine neue ”Außenhülle” bekommen sollte.

Da das Projekt natürlich nicht zeitnah zu realisieren war, widmete sich der technische Berater im August 2007 erst einmal dem Innenraum. Dort wurden diverse Teile in ”Kobaltblau” lackiert. Da der Besitzer natürlich keine halben Sachen machen wollte, ließ er sich den Innenraum in einem blauen Alcantara-Mikrofaserstoff beziehen, das optimal auf das lackierte “Kobaltblau“ abgestimmt war. Mit abgesteppten Sitzflächen machte der Innenraum des fünftürigen Kompaktwagens in Pascals Augen eine gute Figur. Dazu gesellte sich auf sein Geheiß mit blauen Nähten versiegeltes, schwarzes Leder, das die passenden Akzente setzte und die tolle Verarbeitung hervorhob. Gemäß der Zielvorgabe mutet der Innenraum heute edel und hochwertig an und erhält, wie der stolze Fahrer treffend bemerkt, durch die abgesteppten Sitzflächen ”ein exklusives Design”.

Einziger Wermutstropfen waren die damals noch magmarot beleuchteten Schalter und Armaturen. Im Winter 2007/2008 nahm sich der Schweizer dem Problem mit der Unterstützung eines deutschen Kollegen an und verbrachte zahlreiche Arbeitsstunden mit dem Umbau auf blaues Licht.

Ein solch edler Umbau sollte fortan keinesfalls auf wackligen Füßen stehen, sodass Pascal sich im Frühling nach einem in Zug- und Druckstufe verstellbaren Gewindefahrwerk umschaute. Die Wahl fiel im Mai 2008 auf ein Bilstein ”PSS9 Ride Control B14”, das den 1er dem Erdboden ein paar Millimeter näher brachte und dabei mit purer Fahrdynamik und Stabilität überzeugen konnte.

Einen Monat später folgte dann der Anfang dessen, was den 1er heute als technisches Meisterwerk in den Messehallen posieren lässt: ein erster Car-HiFi-Ausbau mit Dolby Surround 5.1 beschallte fortan eindrucksvoll die Insassen des BMW, in dem alle gängigen digitalen Quellen (iPod, iPhone, USB, SD Karte, Bluetooth uvm.) Zugang finden sollten. Durch einen guten Freund, der ein Car-HiFi-Fachgeschäft führte, kam Pascal damals an erste Produkte von Pioneer, die ihm zu einem günstigen Preis zur Verfügung gestellt wurden. Pioneer selbst zeigte sich an einem Sponsoring des Aufbaus interessiert, gab dem Besitzer aber im Gegenzug auch Erfolgsvorgaben, die er bei verschiedenen EMMA-Events (EMMA = European Mobile Media Association) erfüllen musste. Unter anderem musste er sich in der Klasse ”Multimedia Advanced” als Schweizer Meister qualifizieren.

Im Zuge der ersten erfolgreichen Events wurde bei dem motivierten HiFi-Opponenten der Drang nach besserer Optik laut, der im März 2009 minimal durch einen Satz ”Cornich Monza”-Felgen gestillt werden konnte. Mit dieser Optik und seinem Stück für Stück erweiterten Ausbau ging der Schweizer in die Saison 2009, die er trotz des Zeitdrucks und der Vorgaben erfolgreich hinter sich brachte – er holte sich den Meistertitel in der Klasse ”Multimedia Advanced”
Im Jahr 2010 ließ Pascal seinem technischen Know-How noch einmal freien Lauf, um seine bisherige Arbeit und die Firma Pioneer angemessen zu repräsentieren. Im Januar brachte er ein neues Styling des fahrbaren Resonanzkörpers auf den Weg. Umfangreiche Karosserie-Arbeiten im Zuge derer die Radläufe komplett umgeschweißt wurden, ein Cleaning der Heckklappe und der Motorhaube sowie das Bodykit der Firma Breyton verhalfen dem 1er zu sportlich-bulliger Optik. Die im Anschluss installierten Breyton ”GTS Race” wurden instrumentalisiert, um den Look zu unterstreichen.

Doch wie sollte das schon genug sein für jemanden, der aus einem Land stammt, in dem Innovation noch groß geschrieben wird? Pascal nahm den Umbau nur als Grundlage für das, was er sich schon 2007 ausgemalt hatte: die Lackierung durch den ”Brusher”. Das lange erarbeitete Farbkonzept war nun lackierfertig: kobaltblauer Lack bis kurz unter den Fensterrand und das Dach in ”Lamborghini Mattschwarz” – so lautete der Plan, der in bester Handarbeit durchgeführt wurde. Zu den beiden Farbtönen gesellten sich schattierte Airbrushes an den Seiten des 1ers; das Lackierungsfinish mit den Pinstripes folgte erst später im Herbst 2010.

Um für die Saison dennoch völlig fit zu sein, erweiterte der Wettbewerbsteilnehmer seine HiFi-Anlage mit einem Zusatzprozessor und einem Monitor, der in die Heckklappe eingearbeitet wurde. Das Display für den Klangprozessor wurde dabei in einer mühevollen Odyssee in den Innenspiegel eingearbeitet. Sicherlich war das eine der schwierigsten Lösungen aber vielleicht auch die eleganteste. Erst als Pascal eigentlich schon auf der Autobahn Richtung Tuning World Bodensee 2010 sein wollte, wurde der gut geplante Ausbau fertig. ”Ohne Stress macht es gar keinen Spaß”, sagt der heute 29-jährige Tuningfan, der sich als Mitglied des ”TEAM Pioneer” bezeichnen darf. Mit einem Sponsoring-Fahrzeug lebe man auf großem Fuß, jedoch liege der Nachteil bei dem ”straffen Zeitprogramm, sei es beim Einbau oder den ganzen Messeterminen und Treffen”, bemerkt der Schweizer.

Am Ende der erfolgreichen Saison, in der der 1er mehrfach zum Publikumsmagneten wurde, kam dann endlich das Lackfinish, sowie die Pinstripes, die dem kompakten Bayern heute seinen individuellen aber perfekt abgestimmten Look verleihen und für die Augen wie ein Frequenzweiche zwischen Schwarz und Blau wirken. Dass der technische Berater aus Zürich kurz danach die Bremsanlage auf BMW-Performance-Bremsen vom 135i umbaute und Stahlflexleitungen installierte, ist wohl ein Zeichen für die Leidenschaft, die ein Schweizer für technische Perfektion aufbringen kann. Vielleicht ist der Umbau auf die Performance Bremse aber auch einfach eine logische Konsequenz der rund 400 Kilogramm Mehrgewicht, die das HiFi-Kunstwerk mit sich bringt.

Der letzte Schliff, der in der Saison 2010 kam, war der Einbau des BMW-Performance Lenkrades. Die Installation stellte eine besondere Herausforderung dar, die man besser nicht am eigenen Leib erfährt: Der Umbau der Lenkradbeleuchtung war so kompliziert, dass Pascal hier etwa 50 Arbeitsstunden investierte. Das Ergebnis ist dafür mehr als überzeugend: Wer dieses Volant in den Händen hält, weiß, dass er im Auto eines Perfektionisten mit technischem Geschick sitzt. Die Lackierung, die Beleuchtung und die Verarbeitung dieses Schweizer Präzisionswerkes überzeugen einfach – und das kann jeder bestätigen, der Pascal auf Treffen oder Messen einen kurzen Besuch abstattet.

Weitere Infos zu diesem Fahrzeug gibt´s in BMW SCENE Ausgabe 02/11!

Von: Dennis Gauert

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