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Fitter Turnschuh: BMW Z3-Drag-Racing-Coupé

Fitter Turnschuh: BMW Z3-Drag-Racing-Coupé

Fitter Turnschuh: BMW Z3-Drag-Racing-Coupé

Fitter Turnschuh: BMW Z3-Drag-Racing-Coupé

Fotos: Deniss Podnebess

BMW SCENE: Artjom, erzähl uns doch einmal etwas über den Background, der Dich zu einem solchen Autofan gemacht hat.

Artjom Kochlamazashvili: Ich war schon immer heiß auf ”vierrädrige Naturgewalten” und auf Rennveranstaltungen. Schon vor zehn Jahren habe ich an Drag-Events teilgenommen. Mit meinem ersten BMW-Projekt habe ich Time-Attacks und Cup-Rennen gefahren. Das war damals mit einem 3er der Baureihe E30. Natürlich war das Auto im Bereich Fahrwerk weitreichend optimiert und zur besseren Verwindungssteifigkeit vollverstrebt.

BMW SCENE: Wie kamst Du überhaupt zur Marke BMW?

Artjom Kochlamazashvili: Mein erstes Auto war ein Opel Vectra 2000 4x4. Ein schneller Wagen mit Allradantrieb, aber ich wollte unbedingt einen Hecktriebler fahren. Mein Erster war dann der eben angesprochene E30. Mich begeistern besonders die Fahreigenschaften eines BMW. Außerdem bieten diese Fahrzeuge immer viele Möglichkeiten, sie nach eigenen Ideen zu modifizieren – das nötige handwerkliche Geschick und/oder Kleingeld vorausgesetzt.

BMW SCENE: Welche BMW-Modelle hast Du denn bisher in Deiner Schrauber-Laufbahn modifiziert und in welcher Form?

Artjom Kochlamazashvili: Mein 3er E30 war ja, wie gesagt, komplett für die Rennstrecke abgestimmt, und auch Dragrennen waren damit möglich. Danach habe ich mir einen M3 E36 gekauft. Diesen habe ich jedoch nur leicht modifiziert und mit  einem Sportluftfilter und einem anderen Fahrwerk ausgerüstet. Das Z3 M Coupe hingegen wollte ich von vornherein für den Dragstrip umbauen. Es war somit klar, dass damit ein sehr extremes Fahrzeug entstehen würde.

BMW SCENE: Warum gerade ein Z3 Coupe?

Artjom Kochlamazashvili: Ganz einfach, der ”Turnschuh” ist klein und agil und außerdem mit einer nahezu perfekten Gewichtsverteilung gesegnet. Außerdem sitzt man schon im Serienzustand so nah an der Hinterachse, wie nur irgendwie möglich (lacht).

BMW SCENE: Wo hast Du das Fahrzeug gekauft und wie sahen die Umbauten aus?

Artjom Kochlamazashvili:  Ich habe kein komplettes Fahrzeug gekauft, da ich eh viele Dinge verändern wollte. Deshalb habe ich meinen Renner auf einer Rohkarosse aufgebaut. Das ist meines Erachtens die einzig sinnvolle Herangehensweise. Wenn man einen Dragster aufbaut, dann muss er von Grund auf konstruiert werden und dabei einem roten Faden folgen. Als erstes habe ich die Karosserie nach Hause verfrachtet und zunächst einmal gründlich vermessen. Schließlich wollte ich wissen, ob und wie ich einen M5-Motor in das Coupé bekomme.

BMW SCENE: Wie wir sehen, hast Du es geschafft, eine M5-Maschine zu implantieren. Worauf hast Du bei den sonstigen Arbeiten geachtet?

Artjom Kochlamazashvili: Ich verfüge über eine gut ausgestattete Werkstatt mit Hebebühne und Lackierkabine. Ich kann dort sogar Steuergeräte programmieren. Das Ziel war es, das Z3 M Coupé für die ”Estonian Small Class” herzurichten. In dieser Drag-Racing-Klasse sind Saugmotoren mit bis zu vier Litern Hubraum erlaubt. Ich habe aus dem 3,8-Liter-Motor jetzt etwa 430 PS Maximalleistung und 520 Nm maximales Drehmoment herausgeholt, was ziemlich gut ist.

BMW SCENE: Gab es Probleme beim Umbau?

Artjom Kochlamazashvili:  Man muss sich mal in die Lage eines Letten versetzen, um das zu verstehen. Der S38B38 ist sehr selten hier, so dass ich für spezielle Modifikationen bis nach Estland fahren musste. Es gibt in Lettland zwar Leute, die den M5-Motor für Dragrennen modifiziert haben – aber die teilen ungern ihr Wissen mit anderen. Von Zusammenhalt unter den Schraubern kann also keine Rede sein. Daher kam ich bei dem umfangreichen Projekt langsamer voran als gedacht. Abgesehen von den ein oder anderen Problemchen beim Motor hat aber alles gut geklappt.

BMW SCENE: Du sagst, die Teileversorgung sei in Lettland etwas schwieriger. Woher hast Du die Teile und Dein Know-How denn bekommen?

Artjom Kochlamazashvili:  Hauptsächlich aus dem Internet. Es gibt schließlich weltweit genug Foren für Fahrer und Tunern von BMW-Fahrzeugen. Ich habe mich vor allem über alles informiert, was mit Planung und Konstruktion zu tun hat: Motorumbau, Planung für Kraftstofftankeinbau, optimale Gewichtsverteilung und so weiter. Das war das, was mich wirklich interessiert hat.

BMW SCENE: Und wie bist Du beim Innenraum und bei der Karosserie vorgegangen?

Artjom Kochlamazashvili:  Funktionalität geht über alles! Beispielsweise außen: Das Coupé ist im Bereich der Räder ordentlich verbreitert. Optische Gesichtspunkte spielten dabei aber keine Rolle. Ich habe das nur gemacht, um die Räder hineinzubekommen. Ohne vernünftige und vor allem breite Reifen ist man schließlich beim Dragracing aufgeschmissen. Die Front habe ich selbst aus Kunststoff angefertigt, um die Aerodynamik zu verbessern und gleichzeitig Gewicht zu sparen. Außerdem habe ich die Türen und alle Fenster bis auf die Frontscheibe aus Kunststoff nachgefertigt. Der Innenraum spricht für sich: Form follows Function!

BMW SCENE: Das klingt logisch. Respekt von unserer Seite für die Umsetzung. Gibt es Elemente, die Dir an Deinem Auto besonders gefallen?

Artjom Kochlamazashvili:  Danke sehr! Am besten gefällt mir die Lufteinlasslösung. Den Luftsammler habe ich selbst angefertigt und er funktioniert ideal für meine Zwecke.

BMW SCENE: Wo wir beim Zweck sind: Wie kommt Dein Auto bei den Dragrennen an? Und wie erfolgreich bist Du bislang gewesen?

Artjom Kochlamazashvili:  Die Leute waren geschockt! (lacht) Niemals zuvor hat hier jemand ein Z3 Coupé für Dragrennen umgebaut. Meistens werden E30 oder E36 als Basis genommen. ”Erfolgreich” ist ein blöder Ausdruck, auch wenn ich bereits einige Rennen gewonnen habe. Ich mache das vor allem zu meinem persönlichen Vergnügen und liebe es, gegen einen starken Gegner zu fahren. Das ist einfach aufregend. Frustrierend kann es aber auch sein. In der Saison 2009 hatte ich massive Probleme mit der Hinterachse, die der Leistung nicht standhielt. Dadurch bin ich mehrmals ausgeschieden, obwohl deutlich mehr möglich gewesen wäre. 2010 habe ich die Viertelmeile dann in 11,19 sec. geschafft.

BMW Scene: Dann wünschen wir Dir für die kommenden Rennen viel Erfolg. Eine letzte Frage interessiert uns aber noch: Was machst Du in Deiner Freizeit, wenn Du mal nicht mit Deinem Auto beschäftigt bist?

Artjom Kochlamazashvili:  Leute, was denkt Ihr? Für etwas anderes habe ich nun wirklich keine Zeit…(lacht)

Weitere Infos und Bilder zu diesem Fahrzeug finden Sie in BMW SCENE Ausgabe 04/11!

Von: Deniss Podnebess (Übersetzung aus dem Englischen: Dennis Gauert)

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