Kulturell wertvoll

BMW 318is Class II (E36), Baujahr 1994

BMW 318is Class II (E36), Baujahr 1994

BMW 318is Class II (E36), Baujahr 1994

BMW 318is Class II (E36), Baujahr 1994

Fotos: Stefan Kuberka

Das sportliche Sondermodell 318is Class II wurde zwischen 1994 und 1995 in 2.500 Exemplaren als Homologationsbasis für den Super Tourenwagen Cup, kurz STW, gefertigt. Als solche war die Limousine bereits ab Werk mit dem M-Aerodynamikpaket ausgestattet – allerdings mit erweitertem Umfang. So verfügte die Frontschürze über die Lippe mitsamt der Spoilerflaps des Coupé-Sondermodells M3 GT. Und auch der mittels Distanzstücke verstellbare Heckspoiler des ausschließlich in ”British Racing Green” gefertigten Zweitürers fand beim Class II Verwendung. Darüber hinaus war er der einzige viertürige E36 mit Vierventil-Vierzylinder-Triebwerk. Jenes war dem 318is E30 (1989-1991, 136 PS) entliehen, leistete dank überarbeitetem Ansaugtrakt im E36 140 PS und hatte bereits einen Nockenwellenantrieb über Steuerkette – im Gegensatz zu den ersten Zweiventil-Vierzylindern im 316i E36 und 318i E36, die bis 1993 mit Zahnriemen auskommen mussten. Sportlich war auch das Interieur des Class II. Fahrer und Beifahrer durften auf bequemen Sportsitzen Platz nehmen. Sie waren – genau wie die Rückbank – mit einer Stoff/Alcantara-Kombination mit M-Textur bezogen. Als Außenfarben standen ausschließlich Weiß, Rot und ”Dakargelb” zu Verfügung.

Allein schon in diesem Punkt unterscheidet sich das Exemplar des BMW-Enthusiasten Dennis Wehowski massiv von seinen wenigen Brüdern. Dabei ist die auffällige Zweifarblackierung in ”Ginstergelb metallic” und ”Carbonschwarz metallic” jedoch nicht das einzige individuelle Merkmal, denn der Familienvater konfigurierte seinen Viertürer von Grund auf neu. So kommt an der Front anstelle der M-Schürze ein Derivat des bayerischen Tuners Rieger zum Einsatz, das optisch Erinnerungen an den M3 E46 weckt. Ebenfalls an die 3er-Reihe E46 ist die überarbeitete Motorhaube angelehnt. Wie beim E36-Nachfolger, sind die Nieren fest mit ihr verschweißt. Zudem verleiht dem BMW ein so genannter ”böser Blick” einen markanteren Gesichtsausdruck. An den Flanken fallen vor allem die Sportspiegel mit ihren gekürzten Stegen auf – zumindest, solange die Türen geschlossen bleiben. Die vorderen Portale schwingen nämlich nach bester Lamborghini-Manier nach oben in Fahrtrichtung auf – Eigenbau-Scharnieren sei Dank! Als kleine Farbtupfer können ergänzend die Karbonlookfolie an den B-Säulen und die schwarzen Rückleuchten am Heck gewertet werden. Letzteres wurde zudem vom Markenemblem befreit.

Und auch im Interieur unterscheidet sich Dennis´ Class II komplett vom Werks-Ursprung. Auch hier spielt die farbliche Umgestaltung eine große Rolle: Eine schwarz-gelbe Lederausstattung bringt hier einen völlig neuen Look ins Spiel. Die Sitze und die Rückbank wurden mit den edlen Tierhäuten bezogen, die Schalt- und Handbremsmanschette sowie die Fußmatten bestehen komplett daraus. Letztere stechen überdies mit einem gestickten M-Logo ins Auge. Dass Dennis dem Beruf des Lackierers nachgeht, macht sich im Interieur an den zahlreichen veredelten Oberflächen (Lenkrad, Sitzrückenschalen, Mittelkonsole, Instrumentenblende) bemerkbar. Aber auch in Sachen sportliches Zubehör hält der Innenraum ein paar Highlights parat. Ob nun die Sicherheitszelle von Pleie Sport, das kleine Raid-Volant oder die M-Look-Alu-Pedalerie, Langeweile kommt hier beim Fahren mit Sicherheit nicht auf. Dafür sorgen auch die übrigen Details, wie die schwarze Billardkugel, die als Schaltknauf dient, der Alu-Handbremsgriff oder die Chrom-Instrumentenringe.

Außerdem installierte Dennis ein umfangreiches Multimedia-Entertainmentsystem mitsamt klangstarker Audio-Anlage. Sie besteht im Wesentlichen aus einer Memphis-DVD-Headunit, Sonnenblenden mit TFT-Bildschirmen, Lautsprechern und einem Subwoofer von Mac-Audio sowie Verstärkern von Kenwood. Die Endstufen sind, genau wie der Woofer, in einer ansprechenden GFK-Landschaft im ehemaligen Gepäckabteil eingebettet, die mit drei Aquarien samt Blubberbläschen und blauer LED-Beleuchtung die Blicke auf sich zieht.

Derartige Gimmicks hat der Motorraum nur bedingt zu bieten. Zwar kommt hier eine schicke Eigenbau-Abdeckung aus GFK zum Einsatz, aber auf eine Wasserbeckeninstallation verzichtet Dennis hier aus nachvollziehbaren Gründen. Dafür wartet das Vierventil-Triebwerk laut Besitzer mit ein paar Zusatz-PS auf. Sie seien das Resultat eines bearbeiteten Zylinderkopfes sowie eines Eingriffs in die Motorelektronik, der die Höchstdrehzahl auf 7.500 U/min anhebe. Auf rund 165 PS beziffert der 29-Jährige das Leistungsvermögen seiner Triebwerkes, das er mit einigen lackierten Parts äußerst tageslichttauglich gestaltete. Auch die akustische Komponente kommt nicht zu kurz, seitdem eine Bosi-Auspuffanlage ab Kat für den lautstarken Abtransport der Abgase verantwortlich zeichnet.

Es ist jedoch nicht nur der sonore Sound des BMW, der Erinnerungen an den professionellen Motorsport weckt. Auch die Straßenlage, begünstigt durch ein höhenverstellbares KW-Gewindefahrwerk der Variante 1, und die zweiteiligen BBS-Felgen in 8,5J und 10J x 18 Zoll nähren diesen Eindruck. Und genau an dieser Stelle schließt sich der Kreis, denn trotz aller individuellen Details ist und bleibt der Class II selbst in dieser speziellen Ausführung fest mit dem Rennsport verwurzelt und darf getrost als ein echtes Stück automobiles Kulturgut bezeichnet werden. Dass der 318is überdies ein echtes Einzelstück ist, macht ihn für seinen Besitzer nur noch begehrenswerter.

Weitere Infos zu diesem Fahrzeug gibt ´s in BMW SCENE Ausgabe 01/11!

Von: Marcel Kühler

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