Frankensteins Monster

Fotos: Andy Willsheer

Die Karosserie seines 325is hat Jon Sibal im Laufe der Jahre bereits einige Male komplett auf den Kopf gestellt. Die hier gezeigte Ausbaustufe ist bereits der dritte große Umbau, wie Jon erzählt: ”Ich hatte in der Vergangenheit viele Ideen, die ich unbedingt umsetzen wollte. Deshalb habe ich meinen BMW bereits öfters komplett neu gestaltet. Ich nenne mein Auto seit einiger Zeit 'Frankensteins Monster', da es Zubehörteile von so vielen verschiedenen Herstellern aufweist.”

Die meisten Karosserie-Komponenten bestellte Jon in Europa. So stammt das martialische Breitbau-Kit vom französischen Anbieter Esquiss Auto, die Seitenschweller-Verkleidungen und die Heckschürze wiederum von Hamann-Motorsport. Aus dem schönen Bayernland ließ der 38-Jährige eine Rieger-Frontschürze nach Kalifornien einfliegen, die jedoch weitreichend verändert und mit riesigen Lufteinlässen sowie einer dicken Lippe erweitert wurde. Um das Anpassen der genannten Teile kümmerte sich die Firma Auto Explosion aus Gardena.

Doch damit nicht genug: Ein Dachkantenspoiler und ein großes Heckleitwerk mit integrierter dritter Bremsleuchte – beides aus Kohlefasern gebacken – bereicherten ihrerseits das umfangreiche Projekt. Übrigens ist der Heckflügel keineswegs ein M-Produkt, auch wenn es formal so ausschaut. Genau wie der Karbon-Kofferraumgriff, gehören die Aerodynamik-Hilfmittel zum Angebot des in Santa Ana ansässigen Tuners MA Shaw. Passend dazu wählte Jon die Farbe seines Boliden: ”Karbonschwarz metallic”.

Der Antrieb des BMW konnte seinem rasanten Auftreten bis dato keineswegs entsprechen, weswegen das ursprüngliche, 192 PS starke M50B25-Aggregat zugunsten eines US-M3-Sechszylinders seinen Platz räumen musste. Da dieser jedoch mit 240 PS ebenfalls nicht gerade Bäume auszureißen vermag, wurde er massiv von einem professionellen Motorenbauer überarbeitet. Bekanntlich gibt es verschieden Arten, aus einem Triebwerk ein sattes Leistungsplus herauszuholen. Eine der effektivsten Möglichkeiten ist das gezielte unter Druck setzen einer Verbrennungsmaschine mittels Kompressor oder Turbolader.

Jon entschied sich in Absprache mit seinem beauftragten Fachmann für letzteres. Ein Garrett-Lader des Typs ”GT35R” bildete das Grundgerüst für das umfassende Tuning. Hinzu kamen jeweils ein großer Öl- und Ladeluftkühler von Victory Product Design. Um die Verdichtung von ursprünglich 10,5 auf 8,5 herunterzudrücken, ersetzte man die Serienkolben durch geschmiedete Kolben von Ross. Eine Motorelektronik von Active Autowerke bringt das nun rund 500 PS starke Gesamtpaket, das über eine speziell angefertigte Abgasanlage von JP Performance inklusive eines Active-Autowerke-Fächerkrümmer und Magnaflow-Endschalldämpfer ausatmet, zum Laufen.

Der Antriebsstrang erhielt – gemäß der hohen Leistung des Motors – einige verstärkende Maßnahmen: ”Die Serienmäßige Kupplung war mit den neuen Gegebenheiten völlig überfordert. Ich habe deshalb eine Rennsportkupplung mit organischer Keramik-Scheibe von Clutch Masters verbauen lassen. Und für ein flotteres Hochdrehen des Motors kam eine Aluminium-Schwungscheibe mit an Bord”, erläutert Jon, der beim rasanten Kurvenfahren auf ein Active-Autowerke-Hinterachsdifferential mit Sperre vertraut.

Hinsichtlich einer möglichst hoch entwickelten Agilität zudem wurde auch das Fahrwerk bearbeitet. Ein in Höhe und Härte justierbares H&R-Gewindefahrwerk soll in Kombination mit einstellbaren Racing-Dynamics-Stabilisatoren dafür sorgen, dass die Querdynamik der gebotenen Längsdynamik in nichts nachsteht. Ein weiterer entscheidender Faktor dafür sind auch die Reifen. Der Amerikaner entschied sich nach guten Erfahrungen aus der Vergangenheit für Yokohama-AVS-Pneus in 235/40 und 275/35, die auf sündhaft teuren BBS-Rennsport-Rädern in 9,5J und 11J x 18 Zoll sitzen.

Nachdrücklich Einhalt gebietet der Fahrer dem starken BMW über eine Vierkolben-Bremsanlage des italienischen Herstellers Brembo, die ringsum über geschlitzte Scheiben verfügt. Weitgehend auf Funktionalität ist das Interieur ausgerichtet, was zunächst an den leichten Kevlar-Sportschalensitzen von Sparco mitsamt Vierpunktgurten und dem Überrollbügel von Auto-Power ersichtlich ist. Ebenfalls von Sparco stammt das kleine, airbaglose Sportlenkrad. Die Firma California Automotive Design installierte neben Karbon-Einlagen in den Tür und Seitenverkleidungen sowie Karbon-Einstiegsleisten ein speziell angefertigtes Armaturenbrett-Cover aus Kohlefaser, welches auch die Mittelkonsole einschließt. Darin sitzen VDO-Zusatzinstrumente, die über Wasser- und Öltemperatur sowie den Öldruck informieren.

Ein weiteres Instrument von Innovate Motorsport zeigt das jeweilige Gemischverhältnis von Benzin und Luft an. Dies ist – genau wie ein Ladedruckregler von Blitz – griffgünstig an der A-Säule auf der Fahrerseiteangebracht. Die Standard-Instrumente erhielten neue, weiße Skalen mit ”JONSIBAL”-Schriftzügen im Tacho und im Drehzahlmesser. Ein Schaltknauf und Handbremshebel sowie Aluminium-Pedale von Hamann-Motorsport runden den eher praktisch eingerichteten Innenraum ab.

Alles andere als praktisch ist hingegen der Kofferraum. Er beherbergt – blau illuminiert – feinstes Audio-Zubehör. Optisch ein Renntourenwagen und innerlich ein rollender Konzertsaal – wie passt das denn bloß zusammen, Jon? ”Eigentlich gar nicht”, lacht der Amerikaner und fügt hinzu: ”Mir ist durchaus bewusst, dass das HiFi-Klangpaket, die Multimedia-Headunit oder auch die PlayStation 2 ein Stilbruch zur restlichen Konzeption meines Coupés ist. Aber ich höre nunmal gern Musik, spiele ein interessantes Videogame und schaue gerne mal eine DVD. Warum sollte ich das nicht auch im Auto tun können?” Wir meinen: Die Antwort auf diese essenzielle Frage muss jeder für sich finden!

Von: Marcel Kühler, Andy Willsheer

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