Ehrlicher Dauerläufer

Fotos: Marcel Kühler

Fahrzeugen des Kleinserienherstellers Alpina haftet nicht nur der Ruf an, besonders edel und schnell zu sein. Vielmehr zeichnen sich die aufs Feinste veredelten BMW auch seit jeher durch ihre außergewöhnlich hohe Zuverlässigkeit aus. Angefangen hat die Laufbahn der 1964 von Burkard Bovensiepen in Kaufbeuren gegründeten Manufaktur mit Umbau-Kits und Doppelvergaser-Anlagen für die 02-Reihe. Wenig später begann Alpina damit, eigene Fahrzeuge – stets mit Billigung des Werkes – auf Basis von BMW-Modellen zu entwickeln.

Beachtliche Erfolge im Motorsport brachten dem kleinen, mittlerweile in Buchloe beheimateten Betrieb schnell einen hervorragenden Ruf ein. Den Ritterschlag erhielt Bovensiepens Unternehmen 1971: BMW beauftragte Alpina im Verbund mit der hauseigenen Motorsport GmbH mit der Entwicklung eines Leichtbau-Rennsport-Coupés, das als ”3.0 CSL” zu Weltrum gelangte. Die flügelbewehrte Straßenversion, die ab Werk mit dem berühmten Alpina-20-Speichen-Rad ausgeliefert wurde, ist heute eine der gesuchtesten weiß-blauen Raritäten überhaupt. Auch wenn Alpina sich seine ersten Meriten durch eigens gefertigte Einzeldrosselklappen-Systeme und Doppelvergaser-Anlagen verdiente: Pionierarbeit leistete die Manufaktur, die sich mittlerweile auch als Weingroßhändler einen hervorragenden Namen erarbeitet hat, auch im Bereich aufgeladener Triebwerke. 1978 stellten die Buchloer den B7 turbo vor, der als Limousine (Basis: 5er E12) und Coupé (Basis: 6er E24) zu haben war. Mit einem 300 PS starken 3,0-Liter-Sechszylinder ausstaffiert, legte der B7 den Grundstein für die langjährige Alpina-Turbo-Tradition. Insgesamt entstanden von diesem Typ 240 Einheiten.

Ab dem Jahr 1984 setzte der B7 Turbo/1 auf Basis der 5er-Reihe E28 die Erfolgsgeschichte fort. Ein weitreichend überarbeiteter Sechszylinder mit Turboaufladung sicherten dem B7 E28 seinerzeit den Titel ”Schnellster Viertürer der Welt”. Die Ausgangsbasis seiner Antriebsquelle stellte der bewährte Motor des Typs M30B35 dar, wie er auch in den BMW-Modellen 735i (E23 und E32) oder 635 CSi (E24) zum Einsatz kam. Allerdings erfuhr der Langhuber in Buchloe viele Optimierungen, die über die reine Aufladung mittels KKK-Lader hinausgingen – schließlich sollte der B7 nicht nur pfeilschnell, sondern auch überaus Standfest sein. So kamen beispielsweise spezielle Gusskolben mit Ölkühlung zum Einsatz, die eine für damalige Turbo-Verhältnisse hohe Verdichtung von 8,0:1 erlaubten. Thermische Gesundheit des Laders hingegen sollte die Unterbringung des Bypass-Ventils im Abgassammelrohr der letzten drei Zylinder mit sich bringen.

Dass diese Maßnahmen ihre Wirkung keineswegs verfehlten, beweist auch der B7 von Thomas Miltz aus Braunschweig. Bei Kilometerstand 298.000 hat der Braunschweiger das Triebwerk seines Alpina sicherheitshalber komplett revidiert und dabei verschlissene Teile erneuert. That's it – keine Schäden oder weitere Probleme! Dabei kann der polarissilberne Youngtimer auf ein bewegtes Autoleben zurückblicken. Vater Miltz, seit vielen Jahren BMW-Kunde und auf etlichen verschiedenen Modellen unterwegs, erwarb den schnellen Bajuwaren 1984 als Neuwagen und nutzte ihn als herkömmliches Alltagsgefährt, das trotz seiner Exklusivität keineswegs eine Sonderbehandlung genoss.

1992, nach seinem Tod, übernahm Thomas das Steuerruder des Viertürers. Auch er hatte keine Hemmungen, den B7 weiterhin im Alltag zu bewegen. Zwölf Jahre lang mutete er dem E28 Grausamkeiten wie Regen, Schnee, Streusalz und Eis zu, bis der Niedersachse ein Einsehen hatte: ”Übernommen habe ich den Alpina mit einer Laufleistung von knapp 110.000 Kilometern. In den folgenden Jahren kamen viele weitere hinzu. 2004 habe ich dann entschieden, dass der B7 doch zu schade für jeden Tag ist”, erklärt der 44-Jährige die 324.000 Kilometer auf der Uhr seiner Sportlimousine, die ihm heute als Saisonfahrzeug dient. Der Sinneswandel leitete einige weitere technische Überholungen, Optimierungen und verschönernde Maßnahmen ein. Zur erstgenannten Kategorie zählte eindeutig die Revision des Getriebes und des Differenzials.

Darüber hinaus tauschte der in einem Peugeot-Autohaus angestellte Kundendienstberater das Bremssystem aus. Seitdem sorgt an der Vorderachse eine aus 850CSi- und 750iL-Komponenten eigens zusammengestellte Bremsanlage für ein sicheres Verzögern. Hinten verbaute Thomas die Sättel und Scheiben eines M5 (E34). Trotz der vielen tausend Kilometer, die der Alpina auch bei schlechtem Wetter zurücklegen musste, befand sich die Karosserie in einem adäquaten, rostfreien Zustand, so dass der Braunschweiger lediglich hier und da etwas Arbeit in die Lackierung investieren musste. Die einzigen Veränderungen im leicht patinierten Innenraum: ein Alpine-Radio mit passendem CD-Wechsler und eine – selbstverständlich analoge – Stoppuhr, die Thomas am Armaturenträger angebracht hat. ”Weitere Modifikationen verbieten sich aufgrund der Seltenheit eines B7 von ganz allein”, meint der Besitzer.

Übrigens ist Thomas' Exemplar noch aus einem anderen Grund etwas ganz Besonderes: ”Mein Auto ist eins von ganz wenigen Exemplaren, die ab Werk mit einer Leistungssteigerung ausgeliefert wurden. Im Fahrzeugschein sind dementsprechend 386 statt 300 PS und eine Höchstgeschwindigkeit von 286 km/h verbrieft”, erzählt der Alpina-Enthusiast, der heute im Alltag einen Opel Corsa A fährt. Allerdings ist auch dieser Youngtimer alles andere als alltäglich: ”Ich habe den 'Kleinen' von Grund auf neu hergerichtet. Unter der Haube hat er nun einen 2,0-Liter-Motor mit Turboaufladung und etwa 310 PS. Meine Freunde finden das zwar völlig krank, aber ich bin, was die Leistungsfähigkeit eines Fahrzeuges angeht, nunmal echt verwöhnt...”

Von: Marcel Kühler

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