Best of BMW: 2002ti

Best of BMW: 2002ti

Best of BMW: 2002ti

Best of BMW: 2002ti

Fotos: Ullrich Hoelzel

Elf Jahre Bauzeit – von solch langen Modellzyklen können aktuelle Fahrzeug-Baureihen nur träumen. Während der Modellwechsel je nach Hersteller und Typ heutzutage üblicherweise nach fünf bis sieben Jahren eingeleitet wird, lief die legendäre 02-Reihe von 1966 bis 1977 vom Band. Darin eingeschlossen: ein größeres Facelift, das als prägnantestes Merkmal die von vielen heißgeliebten runden Rückleuchten vom Heck verbannte und sie durch rechteckige ersetzte.

Für damalige Verhältnisse präsentierte sich die 02-Reihe überaus vielfältig. Vier Karosserieformen waren seinerzeit alles andere als selbstverständlich. Der Kunde hatte die Wahl zwischen der zweitürigen Limousine, einer ”Touring” genannten dreitürigen Schräghecklimousine, einem Vollcabriolet und einer Targa-Limousine – wenngleich letztere als Nachfolger des Cabrios und nicht parallel dazu angeboten wurde. Ähnlich facettenreich war die bereitstehende Motorenpalette, die ausschließlich Vierzylinder-Aggregate beinhaltete. Die Leistungsfähigkeit der auf dem M10-Triebwerk basierenden Varianten reichte von 75 PS im 1502 bis zu 170 PS im zwangsbeatmeten 2002 turbo.

Eine der heute am meist gesuchten Versionen ist der 1968 vorgestellte und bis April 1971 gebaute 2002 ti. Der ”turismo internazionale” war im Prinzip eine Art werksgetunter 2002. Sein Motor war mit 120 PS nochmals um 20 PS stärker als der des 2002. Auch das Drehmoment-Duell gewinnt der ti mit 157 zu 167 Newtonmetern. Verantwortlich dafür war, dass im ti anstelle des einfachen Solex-Vergasers zwei Doppelvergaser desselben Herstellers zum Einsatz kamen. Zudem stieg das Verdichtungsverhältnis des Triebwerks von 8,5:1 auf 9,3:1. Der 2002 beschleunigte in 10,9 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und war bis zu 170 km/h schnell – beides damals hervorragende Fahrwerte für die Fahrzeugklasse.

Der ti konnte jedoch beides noch besser. Er sprintete in nur 9,4 beziehungsweise mit dem optionalen Fünfgang-Sportgetriebe in 9,1 Sekunden auf 100 Sachen und lief sogar 185 km/h. Ebenfalls im Vergleich zum 2002 leistungsfähiger: die Bremsanlage des ”turismo internazionale”. BMW rüstete die sportliche Limousine vorn mit 256-Millimeter-Scheiben (2002: 240 Millimeter) und mit hinten 230-Millimeter-Trommeln (2002: 200 Millimeter) aus. Auf den Rennstrecken war der ti gefürchtet, was vor allem den ersten Gehversuchen von heute renommierten oder aber bereits wieder von der Bildfläche verschwundenen Rennställen/Tunern zu verdanken war.

Alpina, GS-Tuning, Schnitzer oder auch Koepchen begannen ihre Laufbahnen mit dem 02. Der Rennstall von Hans-Peter Koepchen war es dann auch, der einem ganz großen deutschen Rennfahrer den ersten Einsatz ermöglichte: 1969 fragte Koepchen ein damals gerade einmal 18-jähriges Talent, ob es nicht für ihn fahren wolle. Dessen berühmter Vater Namens Hans willigte ein, und so fuhr ein gewisser Hans-Joachim Stuck, der später als ”Striezel” weltberühmt werden sollte, auf einem Koepchen-2002 ti sein erstes Rennen – natürlich auf dem Nürburgring!

Dies war jedoch nicht der einzige prominente Virtuose, der für den 1939 geborenen und 1999 viel zu früh verstorbenen Essener ins Lenkrad griff. Auch Haudegen vom Schlage eines Hans Heyer, Helmut Kelleners oder Clemens Schickentanz fegten von 1969 bis 1973 im Dienste von Hans-Peter Koepchen über die Pisten – und das meist sehr erfolgreich. Das Koepchen-typische weiß-blaue Farbschema greift auch der 1969er 2002 ti des pensionierten Kaufmanns Gerhard Brinker auf. Der begeisterte Oldtimer-Enthusiast erwarb den Klassiker in seinem derzeitigen Zustand über das Internet-Auktionshaus ebay. Das heißt: Maßnahmen, wie die Käfiginstallation, das Alpina-Sportlenkrad, der moderne Sportschalensitz auf der Fahrerseite oder die Sabelt-Hosenträgergurte waren zu diesem Zeitpunkt schon Bestandteil des BMW.

Außerdem hatte einer der Vorbesitzer die Lackierung nach Koepchen-Vorbild vornehmen lassen. Bewegt wird der rüstige Oldie heute vorwiegend auf der Rennstrecke im Rahmen von ADAC-Youngtimer-Wettbewerben. Dort sorgt er zwar nicht mehr für Angst und Schrecken bei der Konkurrenz, dafür aber für jede Menge Begeisterung bei den Zuschauern. Wenigstens das ist ein Parallele zur guten alten Zeit, als der 2002 noch das Maß der Dinge auf der Piste war...

Weitere Infos und Bilder zu diesem Fahrzeug finden Sie in BMW SCENE Ausgabe 04/11!

Von: Marcel Kühler

Kommentare aus der Community

Sie sind nicht angemeldet. Nur angemeldete User können Kommentare schreiben und beantworten.

Zur kostenlosen Registrierung geht´s im Bereich Community.

Bereits registriert? Dann melden Sie sich über das Formular in der linken Spalte an und schreiben Sie hier Ihren Kommentar!

motorfacts.deAUDI SCENEPORSCHE SCENEflash OPEL SCENEVW SCENEEASYRIDERSYOUNGTIMER SCENEHARDWOK