Alles im grünen Bereich!

Alles im grünen Bereich: BMW 325is E30

Alles im grünen Bereich: BMW 325is E30

Alles im grünen Bereich: BMW 325is E30

Alles im grünen Bereich: BMW 325is E30

Fotos: Peter Schulz

Ob Claus Luthe, verantwortlicher Designer des E30, jemals auch nur ansatzweise erahnt hat, was kreative Köpfe irgendwann einmal alles mit seiner Konstruktion anstellen würden? Vermutlich nicht. Aber es hätte den 2008 verstorbenen Schöpfer vieler wunderbarer Autos – darunter Pretiosen wie die NSU-Modelle Wankel Spider oder Ro80, der Audi 50, der BMW 5er E28, der 3er E36 oder auch der 8er E31 – sicherlich mit Stolz erfüllt, dass sich die zweite 3er-Generation auch beinahe 30 Jahre nach dem Stapellauf größter Beliebtheit erfreut. Auf den saisonalen Events der weiß-blauen Fangemeinde finden sich nach wie vor viele schöne Exemplare – ob nun modifiziert oder einfach nur topgepflegt – ein und erfreuen alle Freunde klassischer 80er-Jahre-BMW. Enthusiasten wie Stefan Wilke sorgen dafür, dass dies auch in Zukunft so bleiben wird.

Im Mai erwarb er seinen 318is vom Händler. Dem war eine gezielte Suche nach ebendiesem Modell vorausgegangen: ”Ich bin zwar ein E30-Fan im Allgemeinen, aber der is mit seinem Vierventil-Vierzylinder hatte es mir besonders angetan. Mein Auto habe ich bei einem Gebrauchtwagenhändler entdeckt. Der Zustand war nicht besonders gut. Die Karosserie war mit kleinen Beulen und Macken übersät. Außerdem hinterließen die fünf Vorbesitzer einige Merkwürdigkeiten, wie beispielsweise ziemlich gammelige Sitze aus  einem VW Corrado”, erzählt der 32-Jährige. Was für den 3er sprach, war der relativ günstige Kaufpreis. Für glatte 10.000 D-Mark wurde Stefan der neue Besitzer. Auf ihn wartete jede Menge Arbeit, denn der Wagen sollte nicht einfach nur restauriert, sondern vielmehr zu einem veritablen Einzelstück reifen.

Um dieses Ziel zu erreichen, entwickelte der gelernte Mechatroniker zahlreiche außergewöhnliche Ideen. Die Karosserie – obwohl mit einem nachgerüsteten M-Technik-Paket recht werksnah veredelt – bietet einige spannende Details, die dem Betrachter bereits auf Anhieb ins Auge fallen. Diesbezüglich wäre zuvorderst natürlich die fröhlich grüne Lackierung zu erwähnen. Mit seinem Lacker mixte Stefan auf Basis einer Mipa-Multieffektfarbe ein eigenständiges Kolorit zusammen, das je nach Lichteinfall neongrün bis goldfarben strahlt. Um ein möglichst homogenes Gesamtbild zu erzeugen, dachte sich der Lausitzer noch etwas Besonderes aus: Die Rückleuchten und die Frontblinker erhielten eine grüne Lasur und fügen sich somit nahezu unsichtbar in die Karosserie ein.

Weitere Details fallen wiederum erst beim zweiten Hinsehen auf. Dann entdeckt der geneigte Betrachter, dass der BMW weder über Embleme, noch über Schlösser an Türen und Heckklappe, Waschdüsen oder über eine Radio-Antenne verfügt. Stefan erachtete diese Dinge schlicht als überflüssig und entfernte sie kurzerhand. Dafür verbaute er einen eigens konstruierten Einarmwischer mithilfe von 3er-E46-Teilen. Zudem weist die Front einige kosmetische Retuschen auf. So erhielt sie eine Eigenbau-Doppelniere, die etwas breiter ausfiel als das Original, schwarze Hella-Scheinwerfer und einen glanzschwarz lackierten Grill. Ebenfalls in Glanzschwarz sind die Fensterleisten gehalten, während die Motorhaube einen mattschwarzen Streifen mit dem Schriftzug ”BMW Syndrom” abbekam.

Neues gibt es auch vom Fahrwerk zu berichten, seitdem Spax-Sportstoßdämpfer die Seriendämpfer ersetzten. Sie sind 14-fach in Zug- und Druckstufe justierbar und ermöglichen dadurch ein gänzlich eigenständiges Setup. Stefan kombinierte sie mit K.A.W.-Tieferlegungsfedern, die für eine sichtbare Herabsetzung der Karosserie sorgen. In den sanft geweiteten Radhäusern brachte Stefan seltene Tramont-Räder des Typs ”Staria” unter. Die Dreiteiler gefallen mit polierten Außenbetten sowie goldenen Sternen und weisen die Formate 8,5J und 9,5J x 17 Zoll auf. Den Kontakt zur Straße stellen sie über Nankang-Reifen in den Formaten 205/45 ZR17 und 235/40 ZR17 her.

Wie erwähnt, war Stefan von vornherein gezielt auf der Suche nach einem 318is. Der Reiz dieses speziellen Modells: Der nur als Zweitürer erhältliche is war der erste Großserien-BMW mit einem Vierventilmotor und somit eine volksnahe Alternative zum erheblich teureren M3. Mit 136 PS erlaubte das intern M42B18 genannte Triebwerk eine muntere Performance. In glatten zehn Sekunden beschleunigte der dynamische 3er aus dem Stand auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei guten 205 km/h.

Damit war Stefan bisher recht glücklich, so dass er lediglich eine Eigenbau-Abgasanlage als Audio-Verstärker montierte. Demnächst wird er das Triebwerk, das mittlerweile über 260.000 Kilometer gelaufen hat, aber wohl in den verdienten Ruhestand schicken und einen moderneren 2,5-Liter-Sechszylinder aus der E30-Nachfolgebaureihe E36 implantieren. Dies sollte dann für noch wesentlich sportlichere Fahrleistungen gut sein.

Auf besonders sportliches Zubehör griff Stefan auch bei der Renovierung des Interieurs zurück. Die unpassenden VW-Corrado-Sitze mussten einer original M3-E30-Innenausstattung weichen, die – genau wie die Tür- und Seitenverkleidungen – passend zur Karosserie mit Alcantara in Schwarz und Grün bezogen wurde. Ebenfalls vom M3 E30 stammt das Kombiinstrument mit den berühmten roten Zeigern und einer Tachoskalierung bis 260 km/h. Den dynamischen Eindruck unterstreichen ein kleines Victor-Sportlenkrad und ein beleuchteter M-Schaltknauf.

Da sein 318is ab Werk eher karg ausgestattet war, rüstete Stefan einige Dinge nach, die das Autofahrerleben deutlich angenehmer machen sollten. Darunter heute zum Auslieferungsstandard aller BMW gehörende elektrische Fensterheber, eine elektrische Betätigung des Schiebedachs, ein großer Bordcomputer, die Check Control vom 325i und eine Funk-Zentralverriegelung. Außerdem stellte der BMW-Fan ein neues Soundsystem aus Pioneer-, Audio-System-, Rodek- und MB-Quart-Komponenten zusammen, das – verstärkt durch eine Crunch-Endstufe – für musikalische Unterhaltung während der Fahrt zuständig ist. Ein schwarzer Dachinnenhimmel komplettierte die gefällige Inneneinrichtung.

Jedenfalls vorläufig, denn Stefan hat bereits weitere Pläne in petto, die das Interieur seines E30 weiter verschönern sollen. So liebäugelt der Bastler bereits damit, die Armaturentafel mit Alcantara zu beziehen und eine 3er-E46-Mittelkonsole mit entsprechender Armlehne anzupassen. Darüber hinaus plant er einen umfangreichen Kofferraumausbau, der weitere HiFi-/Multimedia-Bausteine enthalten soll. Doch auch jetzt schon können wir mit Fug und Recht behaupten: Bei diesem 318is ist wirklich alles im grünen Bereich!

Weitere Infos und Bilder zu diesem Fahrzeug finden Sie in BMW SCENE Ausgabe 04/11!

Von: Marcel Kühler

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