Im September 1987 bringt BMW einen schicken Kombi auf Basis der viertürigen 3er-Limousine auf den Markt, der die Bezeichnung einer eher glücklosen 02-Variante übernahm: Touring. Bis heute tragen alle Kombilimousinen der Münchner diesen Zusatz. Etwas praktischer als die Limousinen, wehrte sich der E30 Touring mit seinem elegant sportiven Design und seinem eher zierlichen Gepäckabteil erfolgreich gegen das Image eines reinen Lastesels. Die Begrifflichkeit ”Lifestyle-Kombi” machte die Runde. Der Touring wurde schnell zum begehrten Prestigeobjekt von Autofahrern, die einen gewissen Nutzwert nicht missen wollten, aber ihr Hauptaugenmerk auf Fahrdynamik legten.
Dazu zählten auch die Eltern des BMW-Enthusiasten Patrick Schmidt aus dem Hessischen Neu-Isenburg. Sie erwarben 1989, Patrick war zu diesem Zeitpunkt gerade sieben Jahre alt, einen 320i Touring als Neuwagen und holten diesen selbst in München ab. Über elf Jahre diente der E30 Familie Schmidt als treuer und zuverlässiger Weggefährte. Dann übergab Vater Schmidt das Ruder an seinen eben volljährig gewordenen Sohn. Und auch Patrick hält dem BMW die Treue. Neun Jahre lang ist der Kombi nun in seinem Besitz. Und während dieser Zeit hat sich das einstige Familiengefährt massiv verändert.
Beginnen wir bei der massiv tiefergelegten und durch gezogene Radläufe verbreiterten Karosserie: Mit vielen Zutaten verfeinert, hat sie auch nach mittlerweile 21 Jahren (und über 215.000 abgespulten Kilometern) keinen Staub angesetzt. Verantwortlich dafür ist zum einen das nachgerüstete M-Technik-II-Aerdynamikpaket und zum anderen auch die farbige Gestaltung in einem speziell mit einem Perleffekt angerührten ”Zinnoberrot”. Weitere individuelle Details sind mit schwarzem Klavierlack angestrichenen Fensterrahmen, Nieren und der Grill sowie natürlich die coolen Außenspiegel. Dabei handelt es laut Patrick sich um Originalteile aus der seligen Deutschen Tourenwagen Meisterschaft (Saison 1985).
Patrick wollte bei seinem Projekt allerdings nicht nur der Vergangenheit huldigen. Vielmehr lautete sein Credo ”Altes mit Neuem mischen”. Dies zeigt sich auch bei der modernen Lichttechnik, die bei Nacht für mehr Sicherheit sorgt: Patrick rüstete Hella-Scheinwerfer mit Xenon und Coronaringen nach. Die schwarzen Frontblinker dienen hingegen genau wie die schwarzen MHW-Rückleuchten, die gelben Nebellampen und die schwarzen Seitenbegrenzungsleuchten der Kosmetik. Scheinwerferblenden, ein Hartge-Einarmwischer, schwarz lackierte Türgriffe und ein Eigenbau-Lufteinlass auf der Motorhaube sowie der Verzicht auf Embleme, Spritzdüsen, Türschlösser, Dachantenne und Heckwischer runden das aufwändige Karosseriestyling gekonnt ab.
Hübsch gemacht ist auch der Motorraum, wo zunächst die zahlreichen auf Hochglanz polierten Teile, wie die Ansaugbrücke, der Ventildeckel oder die Federbeinbrücke auffallen. Aber auch im Verborgenen hat das 2,0-Liter-Herz des Touring einiges zu bieten. In diesem Zusammenhang wären der überarbeitete Zylinderkopf mitsamt seiner polierten Ventile und der 286°-Nockenwelle von Hartge zu nennen. Auch das Steuergerät stammt von Hartge. Es erlaubt dem M20-Triebwerk eine Höchstdrehzahl von satten 7.300 Kurbelwellenumdrehungen. Außerdem verordnete Patrick dem Motor ein BMC-Luftfiltersystem aus Kohlefaser und Ölkühler von einem 325i E30. Anschließend installierte der ehemalige BMW-Mitarbeiter Eigenbau-Abgasanlage aus Edelstahl, Edelstahl-Fächerkrümmer, 200-Zellen-Rennport-Katalysatoren und als weiteres Highlight einen original M3-CSL-Endschalldämpfer. Was in Summe bei diesen Maßnahmen herausgekommen ist, mag Patrick nicht sagen. Mehr als die ursprünglich versammelten 129 Pferde sollten es aber in jeden Falle sein.
Dazu passt der weitreichend überarbeitete Innenraum, der trotz der Lederausstattung eine gehörige Portion Rennsport atmet – was für einen Kombi eher ungewöhnlich ist. Dies liegt neben den Schroth-Hosenträgergurten vor allem an der von Pleie Sport gefertigten Sicherheitszelle, die sich über das gesamte Interieur erstreckt. Selbst das nachgerüstete Nardi-Lenkrad ist eine Hommage an den Rennsport und ist nach dem zweifachen Brasilianischen Formel-1-Weltmeister Emerson Fittipaldi benannt. Ansonsten glänzt der Innenraum durch seine zahlreichen Chrom-Accessoires am Armaturenbrett und Kleinigkeiten, wie die in Wagenfarbe lackierten Instrumentenzeiger oder die LED-Leuchten, die die Türpinns ersetzten. Auch in Sachen HiFi gibt es einige Neuigkeiten zu vermelden: Patrick verbaute ein JVC-CD-Radio samt einem neuen BMW-Lautsprechersystem, welches durch eine Magnat-Endstufe und Ground-Zero-Subwoofer unterstützt wird.
Dass der 28-Jährige seinen BMW-Umbau über die Jahre problemlos vorantreiben konnte, liegt nicht zuletzt an einigen tatkräftigen Freunden: ”Ich möchte mich auf jeden Fall bei Oli, Andi, Rainer, Christian und meiner Freundin Julia bedanken. Ohne diese Leute wäre das Projekt nicht möglich gewesen!” Und er wird wohl auch in Zukunft noch auf ihre Unterstützung zurückgreifen müssen. Denn wir würden uns doch sehr wundern, wenn Patrick nicht schon längst neue Pläne für seinen völlig zweckenfremdeten Touring hätte...
Von: Marcel Kühler
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