Sauberes Finnisch

BMW-Alpina B3 3.0 Touring (E36), Baujahr 1996

BMW-Alpina B3 3.0 Touring (E36), Baujahr 1996

BMW-Alpina B3 3.0 Touring (E36), Baujahr 1996

BMW-Alpina B3 3.0 Touring (E36), Baujahr 1996

Fotos: Jerker Jokiniemi

Besonders feine und gleichzeitig dynamische BMW entstehen seit Firmengründung im Jahre 1965 unter der Aufsicht des Kleinserienherstellers Alpina. Dabei sind die seltenen Edelbayern nicht nur besonders reichhaltig und mit speziellen Details ausgestattet, sondern zumeist auch verflucht schnell. Der bis 1993 B6 und ab dann B3 getaufte ”kleine” Alpina auf Basis der Baureihe E36 machte da keine Ausnahme. Basierend auf dem 325i erhielt der BMW unter den Fittichen der Buchloer einen gänzlich anderen Charakter. Allein schon der Motor: Dank schärferer Nockenwellen, Mahle-Kolben, einer geänderten Kurbelwelle, die den Hubraum auf zunächst 2,8 Liter und ab 1993 auf 3,0 Liter erhöhte, einer speziellen Abgasanlage und einem Eingriff in die Motorelektronik wuchs dessen Leistungsbereitschaft von ehemals 192 auf 240 (B6 2.8) beziehungsweise 250 PS (B3 3.0).

Zudem war der B6/B3 mit seinem sportlichen Fahrwerk ganz klar auf Sport getrimmt – ohne freilich der BMW-eigenen Ikone, dem M3, zu nahe zu kommen. Im Gegensatz zum B6 2.8, den es nur als Limousine und Coupé gab, wurde der B3 3.0 in vier Karosserie-Varianten angeboten: Limousine, Coupé, Cabriolet und Touring. Wobei letzterer eindeutig der seltenste unter den ohnehin nur in homöopathischen Dosen hergestellten Nobel-E36 ist. Wurden vom B3 3.0 insgesamt 765 Einheiten gefertigt, entfielen auf die praktische Kombi-Version gerade einmal 24 Exemplare.

Eine davon ist über Umwege in den Besitz des finnischen Auto-Spezis Jerker Jokiniemi geraten. Ursprünglich war das Auto an einen Erstbesitzer in Deutschland ausgeliefert worden. Der zweite Besitzer, selbst Inhaber eines BMW-Autohauses, erwarb den Alpina im Jahr 2003 für seine Frau und überführte ihn in seine finnische Heimat. 2007 übernahm dann Jerker die Geschicke des Kombis, der in der Folgezeit so manch Veränderung über sich ergehen lassen musste. Auch wenn dies so nicht von vornherein geplant war: ”Das Auto war komplett original, nahezu voll ausgestattet und hatte 158.000 Kilometer auf dem Buckel. Der Zustand war bis auf paar Macken an der Front völlig okay. Zudem war der Frontspoiler gebrochen. Mein Plan sah vor, diesen instand zu setzen und den Vorderwagen neu zu lackieren – nicht mehr und nicht weniger”, erinnert sich der Protagonist dieser Geschichte.

Doch der Erwerb eines neuen Radsatzes sollte die guten Vorsätze schnell zunichte machen. Die ausgewählten Cabo-20-Zöller machten nämlich den Anfang einer relativ üppig angelegten Tuning-Aktion, deren Maßnahmen jedoch allesamt relativ einfach wieder rückgängig zu machen sind. Dies war Jerker sehr wichtig: ”Der Alpina ist derart selten, dass ich ihn auf gar keinen Fall verschandeln wollte.” Dementsprechend dezent ist das Äußere des praktischen Sportlers angelegt. M3-Außenspiegel, eine US-Frontschürze ohne Kennzeichenaufnahme, Hella-Scheinwerfer, dunkle Rückleuchten und Blinker von In.pro, Mattig-Scheinwerferblenden, schwarz-weiße Embleme sowie eine Motorhaube und Nieren aus Kohlefaser – das war´s bereits. Jedenfalls bei Tage betrachtet. Im Dunkeln überrascht der B3 zusätzlich mit einer gleißend roten Unterbodenbeleuchtung, die sich über eine Funkfernbedienung ein- und ausschalten lässt.

Etwas drastischer fiel da schon der Eingriff in die Antriebseinheit aus. Sie wurde um eine NX-Lachgaseinspritzanlage erweitert, die kurzfristig für einen besonderen Kick sorgt. Per Knopfdruck steigt die Leistung des kultivierten Reihensechszylinders um über 100 auf 356 PS. Analog dazu steigt das maximale Drehmoment von 320 auf 408 Newtonmeter. ”Ich war selbst überrascht, wie viel mehr Power durch vergleichsweise geringe Mittel aus dem Triebwerk herauszuholen ist. Wir haben die Werte auf einem Prüfstand ermittelt”, versichert Jerker die Richtigkeit der Angaben. Neben dem NX-System verbaute er noch eine Hochleistungs-Benzinpumpe von Walbro, Rennsport-Zündkerzen von Brisk und ein Pipercross-Air-Intake-System, welches durch ein Loch in der Frontschürze nach Luft schnappt.

Das ab Werk nahezu voll ausgestattete Interieur wird eindeutig von der Erweiterung der Audio-Anlage dominiert. Der Finne hat sich hier für den Verbleib des serienmäßigen Cassetten-Radios samt CD-Wechsler entschieden, weil er die Optik des Armaturenbretts nicht verändern wollte. Die zehn Lautsprecher des BMW-Soundsystems durften ebenfalls ihre angestammten Plätze behalten, werden bei ihrer Arbeit aber von Soundstream-Speakern sowie Woofern und einem Verstärker derselben Audio-Schmiede unterstützt. Der Einbau der Komponenten im Gepäckabteil hatte allerdings nicht nur Einfluss auf den Hörgenuss, sondern auch auf das Fahrwerk, wie Jerker erzählt: ”Die Anlage wiegt etwa 50 Kilogramm, die auf die Hinterachse drücken. Deshalb habe ich dort auch die Alpina-spezifischen Federn gegen herkömmliche BMW-Teile ausgetauscht. So vermeide ich, dass der Touring hinten zu sehr in die Knie geht.”

Trotzdem fast alle Umbauten relativ einfach wieder zurückzurüsten sind, haben manche Zeitgenossen ein Problem mit Jerkers Alpina. Er meint: ”Es war echt nicht einfach, eine solche Rarität vernünftig aufzubauen. Ich bekomme viel positive Resonanz. Aber einige kritische Stimmen sagen, ich hätte das Auto ruiniert. Diesen Leuten sage ich dann immer: `Hey, kauf Dir einen eigenen, halte ihn original und hör auf wegen meinem B3 herumzuheulen!´” Dem ist nichts mehr hinzuzufügen...

Weitere Infos zu diesem Fahrzeug finden Sie in BMW SCENE Ausgabe 06/10!

Von: Marcel Kühler

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