”Sehr geehrter Damen und Herren,
inspiriert durch Ihre Zeitschrift BMW SCENE möchte ich Ihnen und Ihren Lesern meine Tuningerfahrungen mitteilen, die ich mit meinem M3 gemacht habe. Nur soviel vorweg: Ich habe es mir bei weitem nicht so kompliziert vorgestellt habe, was insbesondere an der nicht nur positiven elektronischen Hochrüstung in den modernen Automobilen und natürlich wegen der wenig nachvollziehbaren Vorschriften eher behördenmäßigen TÜV liegt.
Als ich im August 2008 glücklicher Besitzer eines M3 E92 wurde, hatte ich von Anfang an den Wunsch nach Leistungssteigerung und Individualisierung. Wesentlich leichter gesagt (und gedacht) als getan, denn der E92 war damals noch zu neu auf dem Markt und sinnvolles Zubehör eher selten. Der erste Schritt betraf Fahrwerk, Räder und Reifen. Gleich von meinem Händler ließ ich mir zusammen mit der Auslieferung ein KW-Variante-3-Fahrwerk und Hamann-´Edition Race-Felgen (vorn 8,5, hinten 10,5 x 20 Zoll) samt Reifen der Dimensionen 245/30 ZR20 sowie 295/25 ZR20 verbauen.
Das optische Ergebnis war hervorragend, das KW Gewindefahrwerk großartig, aber die nicht richtig abgedeckten Felgenhörner widersprachen meinen bisherigen Bordsteinerlebnissen und die 25er Hinterreifen waren einfach bretthart. Also ließ ich umrüsten: 255/30er Pneus vorn und deren 305/30er hinten waren eine super Lösung und sind mit Hilfe des Gewindefahrwerks problemlos in den serienmäßigen Radkästen unterzubringen – wenn der TÜV nicht wäre. Der Freilauf ist absolut gegeben, die Traglastwerte und der Geschwindigkeitsindex der Reifen sind identisch, lediglich der Abrollumfang der Hinterreifen ist 3,25% größer und damit nicht TÜV-fähig. Sinnvoll erklären konnte mir das bisher niemand. In Deutschland ist das eben so, auch wenn es nicht nachvollziehbar ist.
Das zweite Kapitel meiner ganz persönlichen Odyssee betraf das Motortuning: Nach längerer Suche habe ich mich im März 2009 für den Kompressorumbau der Firma G-Power entschieden und dies bis heute nicht bereut. Dabei kam zusätzlich zum ersten Mal die Kombination mit einer Akrapovic-Abgasanlage zum Einsatz, die nicht nur das Mehrgewicht der Kompressoranlage wieder ausgleicht. Die Leistung (500 plus x PS, 500 plus x Nm Drehmoment) ist wirklich überzeugend. Der Wagen geht jetzt im letzten Gang in den Begrenzer. Laut Tacho liegen dann 340 km/h an!
Scheinbar ist die Power aber für die elektronisch geregelte Kupplung im Automatikbetrieb bei meinem Doppelkupplungsgetriebe etwas zu viel. Das DKG grundsätzlich ist toll (längerer letzter Gang, keine Schaltpausen beim Beschleunigen, niedrigerer Verbrauch von – man glaubt es kaum – rund 12 Litern im normalen Tagesgebrauch!!!), aber die Elektronik davon zu überzeugen, dass nun deutlich mehr Leistung anliegt, war vorsichtig ausgedrückt nicht ganz einfach. Der manuelle Betrieb war und ist unproblematisch – solange man nicht unter Volllast zurückschaltet, denn dann schleift die Kupplung. Im Automatikbetrieb aber ist der Kickdown deshalb praktisch nicht möglich; und das alles nicht, weil die Kupplung unterdimensioniert ist, sondern weil die Elektronik so kompliziert steuerbar ist. Inzwischen ist zwar die Lösung in Sicht, aber alles in allem war der Umbau doch recht aufwändig.
Es folgte der nächste kombinierte Elektronik/TÜV-Wahnsinn: Bei 192 Zentimetern Körpergröße habe ich außerordentliche Schwierigkeiten in meinem M3 zu sitzen. Ich stoße bei niedrigster Sitzposition mit den Haaren an den Dachhimmel. Dabei ist mein Gesichtsfeld durch die nach vorn leicht abfallende Dachlinie und den großen Innenspiegel deutlich eingeschränkt, ganz zu Schweigen von dem schlechten Gefühl, immer leicht den Dachhimmel zu fühlen. BMW selbst hält sich bisher bedeckt und kann nicht einmal beantworten, ob die Performance-Sitze Besserung, sprich eine tiefere Sitzposition, versprechen. Mein Händler hat selbst versucht die Mechanik des Gestühls zu verändern, leider ohne Erfolg.
Und Recaro und Co.? BMW selbst hat leider zwei Hinderungsgründe eingebaut: 1. Der Seitenairbag ist im Sitz montiert. Das Fahrzeug verliert jedoch ohne Seitenairbag die ABE. Somit fallen Sitze, mit denen gleichzeitig erheblich Gewicht (ca. 50 Kilogramm!!!) gespart werden könnte, wie beispielsweise der ´Pole Position´ in Karbon, gleich weg. Sehr ärgerlich! Ich darf in Deutschland mit jedwedem Neuwagen ohne Lenkrad-Airbag fahren, aber auf eigene Verantwortung nicht ohne Seitenairbag, auch wenn ich das gerne möchte!? Das verstehe wer will, ich jedenfalls nicht! Einzig der Sitz ´Sportster CS´ könnte verbaut werden – wenn da nicht 2. die Memory-Elektronik der Sitzverstellung wäre. Würde man sie ausschalten, führte dies zu diversen Fehlermeldungen in der BMW-Elektronik. Es ist durchaus zum Verzweifeln. Ich muss also derzeit weiterhin in einer besch... Sitzposition fahren, nur weil es irgendwelche, aus meiner Sicht völlig unsinnige, Vorschriften und die Elektronik es so wollen.
Weitere Überlegungen betrafen die Karosserie. An bisher mangelndem Angebot, wahrscheinlich weil der E92 noch nicht lange genug am Markt ist, scheitern Wünsche nach dem (TÜV-fähigen) Karbon-Ersatz für Hauben, Schweller und Schürzen. Dabei steht für mich nicht der Showeffekt, sondern der Gewichtsvorteil im Vordergrund. Der Wagen soll schließlich möglichst nicht effekthaschend auffallen, sondern auf weiterhin ein gewisses Understatement ausstrahlen. Ich werde diesbezüglich also wohl oder übel noch etwas warten müssen.
Zusammenfassend bin ich über die legalen Tuning- und Umbaumöglichkeiten eines neueren Fahrzeugs hier in Deutschland recht enttäuscht, hoffe aber, dass BMW doch noch eine Lösung für mein Sitzproblem anbietet und sich das sonstige Angebot für den M3 im Laufe der Zeit bessert.”
Von: Jens Knipphals
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