Gone in 11,65 Seconds

BMW 325i (E30), Baujahr 1987

BMW 325i (E30), Baujahr 1987

BMW 325i (E30), Baujahr 1987

BMW 325i (E30), Baujahr 1987

Fotos: Deniss Podnebess

Langsam rollt Aivaras Stikelis an die Starteinrichtung der Viertelmeile, irgendwo in der Provinz Litauens. Sein Fokus liegt nun auf der Startampel. Volle Konzentration. Der Motor bebt. Das in Massen ausgeschüttete Adrenalin lässt das Blut in den Ohren des Piloten pochen. Die Ampel springt auf grün. Vollgas! Die Reifen flehen um Gnade. Unter infernalischem Brüllen verschwimmt die Landschaft und das heckgetriebene PS-Monster schießt dem Horizont entgegen. Es ist genau dieser Moment, den Viertelmeilen-Racer so lieben. Nach 402 Metern ist alles vorbei. Ruhe kehrt ein. Ein Blick auf die Zeittafel: Zufriedenheit stellt sich ein. Der BMW-Fan Aivaras hat seinen wegen der fehlenden Front skurril aussehenden 3er in knapp unter 12 Sekunden über die Piste geprügelt. Ruhig und besonnen stellt er sich nun während des Fototermins unseren Fragen.

”Dies ist mein erster BMW. Zuvor hatte ich einen Volga GAZ 24. Der E30 war eine völlig neue Dimension des Autofahrens. Er war damals in einem perfekten Zustand und als 325i mit dem 170 PS starken M20-Triebwerk bestückt. Irgendwann fing ich aus Jux und Dollerei an, damit Beschleunigungsrennen zu fahren. Das hat mir sofort viel Spaß gemacht. Schnell merkte ich aber, dass ich mehr Dampf haben wollte”, antwortet er auf die Frage nach den Anfängen des Projektes. In der Zwischenzeit hat sich vieles an dem einst völlig serienmäßigen BMW verändert.

Allein schon äußerlich: Frontal betrachtet, erkennt man den 3er nicht mehr wieder. Durch die fehlenden Kotflügel, die fehlende Motorhaube und Frontmaske gewährt der BMW freie Sicht auf seine Technik. Diese stammt vom 3,6-Liter-M5 der Baureihe E34. Der Motor ist in einem völlig neu konstruierten Vorderwagen fixiert – und natürlich weitreichend modifiziert. Die folgenreichste Veränderung an dem ursprünglich 315 PS starken Sechszylinder-Herz sind die Schmiedekolben von JE Pistons. Sie setzten die Verdichtung von 10,0 auf 8,0:1 herab. Damit einhergehend sank die Leistung um 35 auf rund 280 PS. Wozu also diese Maßnahme? ”Der Motor ist auf den Einsatz von Lachgas optimiert. Ich versuche durch das Gas temporär eine 100-prozentige Leistungssteigerung zu erzielen – bislang allerdings vergebens. Mit Lachgas habe ich momentan rund 410 PS im Auto, was schon sehr ordentlich ist. Allerdings ist die Hinterachse damit völlig überfordert. Die Traktion ist noch nicht das Gelbe vom Ei. Daran muss ich dringend noch arbeiten”, sagt Aivaras. Eigentlich kaum zu glauben, wenn man auf die fetten M&H-Walzen am irrwitzig verbreiterten Heck schaut.

Gekoppelt ist das M5-Aggregat mit einem Getriebe von Chevrolet. Die TH350-Gearbox bietet drei Fahrstufen und gilt als äußerst robust und langlebig. Tricky war allerdings das Zusammenfügen der beiden sich völlig fremden Komponenten, wie der 36-jährige Hobby-Rennfahrer erzählt: ”Da habe ich schon einige Tage drüber nachdenken müssen, wie das passend hinbekomme. Den nötigen Flansch habe ich dann in meiner Garage konstruiert und eingebaut. Dort habe ich übrigens sämtliche Umbaumaßnahmen vorgenommen. Eine Halle hatte ich nicht zur Verfügung stehen.”

Und wenn der Service-Berater eines Autohauses ”sämtliche” sagt, ist das nicht gestrunzt. Denn das ganze Projekt entstand durch die Kreativität und Handwerkskunst Aivaras´, der nach eigener Aussage niemals zuvor etwas mit dem Schrauben zu tun hatte. ”Learning by doing” lautet folgerichtig sein Credo, das er bei der Konstruktion des Fahrwerks mit 3er-E36- und Koni-Komponenten gleichermaßen wie bei der Neugestaltung des Innenraumes anwandte. Diesen rüstete er unter anderem mit einer selbst angefertigten Sicherheitszelle, einem FIA-homologierten Rennschalensitz sowie professionellen Dragster-Instrumenten aus.

Zu glauben, dass bei dem ambitionierten Projekt immer alles glatt ging, ist jedoch ein Trugschluss. So erlebte der Litauer 2007 mit seinem BMW ein echtes Seuchenjahr. Mal waren es die Kolben, mal die Ventile und einmal sogar der Motorblock, den die starke Beanspruchung auf der Viertelmeile gen Himmel schickte. Gleich dreimal musste er den Motor zerlegen und mit neuen Komponenten bestücken.

Dennoch überwiegen eindeutig die schönen Erlebnisse. Den größten Erfolg erzielte Aivaras bisher in der russischen Exklave Kaliningrad: ”Das war echt super. Ich habe dort mit meinem E30 bei einer Dragster-Veranstaltung teilgenommen und den ersten Platz gemacht. In 11,65 Sekunden habe ich die 402 Meter hinter mir gelassen. Schneller war ich bis dato noch nicht mit meinem BMW unterwegs.” Ob er sich damit zufrieden gibt oder weitere Pläne zur Optimierung der Performance seines 3ers in der Schublade liegen, wollen wir zum Schluss von dem Vollblut-Racer wissen. Seine Antwort spricht Bände darüber, worauf der Litauer seine Prioritäten legt: ”Aber natürlich habe ich noch weitere Dinge in petto, die ich noch verbessern und/oder umbauen will. Was soll ich denn auch sonst mit meinem Leben anstellen...?”

Von: Marcel Kühler

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