Dicker Foliant

BMW 735i E65 (2001)

BMW 735i E65 (2001)

BMW 735i E65 (2001)

BMW 735i E65 (2001)

Fotos: Marcel Kühler

Als im Jahr 2001 der 7er mit der internen Bezeichnung E65 beziehungsweise E66 für die Langversion auf den Markt kam, war der Sturm der Entrüstung groß. Selbst eingefleischte Fans der Münchner Premium-Marke hatten ihre liebe Müh und Not, sich mit dem – sagen wir es mal vorsichtig – andersartigen Design des bayerischen Topmodells anzufreunden. Viele warfen dem verantwortlichen Zeichner, Chris Bangle, vor, ein plumpes Fahrzeug ohne die Spur einer Schokoladenseite geschaffen zu haben. Vor allem der rucksackartige Kofferraumdeckel – ein Markenzeichen Bangles – verwirrte. Und auch das erstmals in diesem BMW eingesetzte Bedienkonzept iDrive fiel bei zahlreichen Tests zunächst als zu kompliziert und zu verschachtelt durch.

Doch all dies änderte nichts an der Tatsache, dass die vor rund zwei Jahren durch den F01/02 abgelöste vierte Generation des Luxusautos zum erfolgreichsten 7er überhaupt wurde. Längst haben sich die Wogen geglättet und der E65/66 ist ein beliebter Gebrauchtwagen geworden. Vor allem der massive Preisverfall ist dafür verantwortlich. Ein Umstand übrigens, den der große Bajuware mit seinen Konkurrenten teilt. Nahezu alle Highclass-Limousinen, egal welcher Marke, erzielen auf dem Gebrauchtwagenmarkt nach ein paar Jahren nur noch einen Bruchteil ihres Neupreises.

Schlecht für Verkäufer, gut für Käufer – und als solcher profitierte Christof Lach aus Seeboden (A), als er seinen 2001er 735i im Jahr 2010 kaufte: ”Der Wagen hatte zahlreiche kleine Macken, war dafür aber sensationell günstig und hatte nicht allzu viele Kilometer auf der Uhr stehen”, erklärt der Österreicher, der sich beim Fototermin eigentlich als Fan japanischer Sportwagen vom Schlage eines Nissan 350Z outete. Aber der geringe Preis und die Herausforderung, mal was anderes zu machen, befürworteten die Bauchentscheidung, das Fahrzeug dennoch zu kaufen. ”Was anderes machen”, dies wurde zum Leitmotiv des Umbaus. Denn nur mit ein paar schicken Rädern oder ähnlich konventionellen Tuningmitteln wollte sich der deutlich über zwei Meter große Hüne mit Faible für außergewöhnliches Schuhwerk nicht zufrieden geben.

Aber bevor überhaupt an die Umsetzung der angedachten Modifikationen zu denken war, musste die Karosserie zunächst wieder in einen adäquaten Zustand zurückversetzt werden. Das heißt, dass Christof zunächst sämtliche kleinen Dellen entfernen und den teils heftig geschundenen titansilbernen Lack ausbessern ließ. Dazu reinigte er den mit Leder, Holz und dem großen Navigationssystem ”Professional” ausgerüsteten Innenraum gründlich, so dass der 7er nun eine gesunde Basis für das Projekt darstellte.

Dabei war allerdings eine perfekte und vor allem glatte Karosserie-Oberfläche das A und O. Denn der Österreicher fasste schnell den Entschluss, seiner Limousine mittels Folie zu einem ganz speziellen Auftreten zu verhelfen. Eintönigkeit war dabei jedoch nie ein Thema. Vielmehr wollte Christof mit vielen verschiedenen Farben experimentieren. Das Ergebnis ist beeindruckend. Drei Grundfarben bestimmen heute die Optik des 7ers: Beige, Braun und Gold, die sauber mit feinen Linien voneinander abgegrenzt sind.

Selbstredend bestehen diese feinen Striche ebenso aus Folie wie die Pinstripe-Motive, die das Dach und die Motorhaube zieren. Die C-Säulen und die Embleme tragen das Markenzeichen des französischen Luxusgüter-Herstellers Louis Vuitton, was folgende Bewandtnis hat: ”Ich habe bei meinem Auto versucht, das Leitmotiv `Luxus und Stil` konsequent durchzuziehen. Deshalb dachte ich mir, dass das bekannte VL-Logo gut dazu passen würde”, erläutert der 33-Jährige.

Überdies sind die beiden – gerade von der Damenwelt – äußerst begehrten Buchstaben auf den Außenbetten der großen AC-Schnitzer-Felgen zu finden. Aber auch hier wäre zu glauben, dass es sich bei der farblichen Umgestaltung der Dreiteiler um Lack oder gar eine Pulverbeschichtung handelt, schlicht falsch. Vielmehr sind die Außenbetten ebenfalls mit einer beigefarbenen Folie beklebt und anschließend mit den Schriftzeichen verfeinert worden. Vorn sorgen übrigens 35-Millimeter-Tieferlegungsfedern dafür, dass die 20-Zöller schön satt in den Radhäusern stehen.


Der laufruhige Achtzylinder, der in Christofs 7er unauffällig seinen Dienst tut, ist nicht modifiziert. Das intern N62B36 genannte Aggregat leistet 272 PS bei 6.200 U/min und bietet bis zu 360 Newtonmeter Drehmoment bei 3.700 U/min. Immerhin ist der 1.840 Kilo schwere Brocken damit elektronisch abgeregelte 250 km/h schnell und spurtet in 7,5 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Davon ist der Inhaber eines Tabakladens jedoch nicht unbedingt begeistert: ”Klar ist der 7er ein tolles Auto: komfortabel, sicher und bequem. Trotzdem: Mir ist er einfach nicht sportlich genug. Deshalb werde ich wahrscheinlich bald wieder hergeben und mir einen 350Z oder so was in der Art zulegen.”

Alles gut und schön, aber wir empfehlen dennoch, mal einen Blick in den BMW-SCENE-Gebrauchtwagenmarkt zu werfen. Es gibt schließlich viele sehr sportliche Autos aus München – beziehungsweise aus Garching. Denn dort kommt bekanntlich der ”stärkste Buchstabe der Welt” her: M!

Weitere Infos zu diesem Fahrzeug finden Sie in BMW SCENE Ausgabe 06/10!

Von: Marcel Kühler

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