Der Knastbruder

BMW 320/6 E21 (1977)

BMW 320/6 E21 (1977)

BMW 320/6 E21 (1977)

BMW 320/6 E21 (1977)

Fotos: Marcel Kühler

Manchmal kann der Blick über den viel zitierten Tellerrand für interessante Impulse sorgen. So war es jedenfalls, als Manuel Fiebich sich Gedanken um die Umgestaltung seines 320/6 machte. Inspiriert von den Old-School-Kreationen, die in weiten Teilen der VW-Szene als ”in” gelten, veredelte er seinen Oldtimer mit gezielten Eingriffen zu einem absoluten Hingucker. Bis es jedoch soweit war, musste der Ur-3er zunächst seine groben Makel im Blech loswerden.

Aber der Reihe nach: Manuel, der auch noch einen wild lackierten 3er Touring der Baureihe E36 besitzt, spukte schon längere Zeit die Idee im Kopf herum, sich einen E21 zuzulegen. Allerdings sind diese Fahrzeuge mittlerweile recht selten zu bekommen oder in einem adäquaten Zustand bereits richtig teuer. Die Suche des Berliners nach einem geeigneten Gefährt hatte sich über mehrere Jahre erstreckt, bis er im August 2007 schließlich im Web-Auktionshaus ebay (s)einen schönen 320 aus dem Baujahr 1977 fand. ”Der BMW war ´topasbraun´ verfügte über ein Automatikgetriebe und war mit einem Sechszylinder bestückt – was mir sehr wichtig war. Einen Vierzylinder wollte ich nicht. Die Auktion endete mit einem Höchstgebot von 2.700 Euro. Der aufgerufene Mindestbetrag war damit aber nicht erreicht worden, so dass der Wagen wenig später erneut versteigert wurde. Diesmal allerdings ohne Mindestpreis. Ich war der Höchstbietende und habe für 2.300 Euro den Zuschlag erhalten”, erinnert sich Manuel, der sich zuvor ein Limit von 2.500 Euro gesetzt hatte.

Der betagte 3er erwies sich als ein ehrliches, wenngleich keineswegs makelloses Fahrzeug. Zwar hatte der in Osnabrück beheimatete Vorbesitzer viele Verschleißteile erneuern lassen, die Karosserie zeigte jedoch massive Spuren eines bewegten Autolebens. Zahlreiche Kratzer, Beulen, Rostpusteln und sogar -löcher überzogen die Außenhaut des Zweitürers. Besonders schlimm erwischt hatte die braune Blechpest die B-Säulen und die Kante unter den hinteren Seitenscheiben. Die Technik des Oldies schien indes zuverlässig zu arbeiten, da der Vorbesitzer ihn immer noch angemeldet hatte und auch regelmäßig damit gefahren war.

Zurück in Berlin, versuchte Manuel zunächst ein H-Kennzeichen für seinen Neuerwerb zu bekommen: ”Das stellte sich jedoch schwieriger als gedacht heraus”, beschreibt er, ”Für die Rheinländer Prüfgemeinde war der Wagen in einem zu schlechten Zustand und für die anderen Herren war er mit seinem 90er Jahre Panasonic-Radio, den ´neumodischen´ Boxen auf der Hutablage und den montierten 13-Zoll-BBS-Rädern nicht original genug. Erst beim zweiten Anlauf klappte es mit dem H-Kennzeichen.” Und das, obwohl der BMW-Fan auch einen Satz Tieferlegungsfedern (-20 Millimeter) von Apex verbaut hatte. Zur ”Tarnung” ließ er diese jedoch sandstrahlen und anschließend mattschwarz pulverbeschichten, so dass sie den Sachverständigen nicht auffielen.
In den darauffolgenden zwölf Monaten fuhr Manuel seinen 320 in diesem Zustand bei schönem Wetter und tauschte zusammen mit seinem mittlerweile verstorbenen Vater einige weitere Verschleißteile aus.

Erst Ende 2008 hatte der BMW-Fan genug vom ungepflegten Blechkleid und überlegte sich, wie und wo die Karosserie standesgemäß wieder auf Vordermann gebracht werden könnte. Die Lösung war eine äußerst unkonventionelle: ”Durch meine Ex-Freundin, die in der JVA Berlin arbeitet, kam ich auf die Idee, meinen E21 für die Restauration im Knast abzugeben. Schnell war ein Termin gemacht und der Wagen vor Ort. Sechs Wochen dauerte das Ganze. Dabei hat man den 3er komplett zerlegt, geschweißt, im Originallack geduscht und wieder zusammengebaut. Gekostet hat's grade mal knapp über tausend Euro”, freut sich das aktive Mitglied des BMW-Clubs Weiß-Blau Berlin über die moderate Preisgestaltung der schweren Jungs. Die haben dafür grundsätzlich einen soliden Job angeliefert, ”wenngleich beispielsweise bei der Lackierung keine hundertprozentige Perfektion erwartet werden darf.”

Am klassischen Look seines Ur-3ers verlor Manuel jedoch schnell die Freude: ”Originale E21 mit BBS- oder Alpina-Rädern sieht man auf Treffen doch recht häufig. Ich wollte deshalb etwas Ausgefalleneres. Mir sind dann die teils echt coolen Old-School-Autos aus der VW-Szene eingefallen, die ich mir dann kurzerhand zum Vorbild für meinen BMW genommen habe. Dabei habe ich jedoch darauf geachtet, dass alle Modifikationen wieder einfach zu entfernen sind”, erklärt der 32-Jährige. Einen ersten Schritt zu mehr Individualität stellten originale Stahlfelgen dar, deren Betten mit verchromten Radzierblenden aufgewertet wurden. Zudem ließ der Heizungs- und Lüftungsbauer die Sterne in Beige pulverbeschichten. Einen weiteren netten Gag findet der Betrachter an den Reifen: Spezielle Blenden der Marke Atlas gaukeln hier echte Weißwandreifen vor. Doch damit nicht genug: Ein Dachgepäckträger mit ”antiken” Koffern, weiße Frontblinker und dezente Pinstripes in den Seitenscheiben runden das äußere Erscheinungsbild ab.

Im Innenraum sorgen Holzkugelmatten von A.T.U. auf den Vordersitzen sowie ein Hut vom Trödel und eine Häkelrolle für ein uriges Flair.
Mehr möchte Manuel nicht an seinem 3er verändern: ”Jetzt soll er so bleiben wie er ist. Ich finde die Optik gelungen. Und anderen scheint mein Auto auch zu gefallen. Immerhin habe ich auf verschiedenen Treffen schon vier Pokale abstauben können.” Vom Knastbruder zum Pokaljäger – das nennt man dann wohl eindeutig resozialisiert!

Weitere Infos zu diesem Fahrzeug finden Sie in BMW SCENE Ausgabe 06/10!

Weitere Bilder gibt´s in der Galerie!

Von: Marcel Kühler

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