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BMW 540iA Individual (E39), Baujahr 2002

BMW 540iA Individual (E39), Baujahr 2002

BMW 540iA Individual (E39), Baujahr 2002

BMW 540iA Individual (E39), Baujahr 2002

Fotos: Michael Bohl

Ein wertvolles Liebhaber-Fahrzeug wie die zum M3 umgerüstete Limousine, die Michael Bohl in mühevoller Kleinarbeit von Grund auf neu aufgebaut hat, bewegt man natürlich nicht im Alltag. Zu hoch ist das Risiko eines Unfalls – sei es selbst- oder unverschuldet. Und auch die Substanz leidet unter dem täglichen Gefecht auf öffentlichen Straßen enorm. Technischer Verschleiß und optische Makel sind zwangsläufige Begleiter des automobilen Alltages, weswegen viele Enthusiasten sich ein weniger pflegeintensives Gefährt für fürs bloße Fortkommen von A nach B halten. Michaels Begleiter für diesen Zweck hingegen wäre für manche mit Sicherheit auch schon zu Schade dafür. Denn der 540i der Baureihe E39 wartet mit so vielen spannenden Details auf wie manch reinrassiges Szene-Saisonfahrzeug nicht.

Schon die Basis war alles andere als gewöhnlich. Schließlich handelte es sich bei dem eleganten Viertürer um eine Individual-Ausführung und verfügte demnach bereits ab Werk über eine außerordentlich gute Ausstattung. Annehmlichkeiten wie Leder, Sportsitze, HiFi-System mit zehn Lautsprechern oder auch optische Highlights, wie das M-Paket oder die bildschöne Lackierung in ”Petrol Mica metallic” – all diese Dinge wurden dem BMW bereits am Fließband mit auf seinen Lebensweg gegeben. Neben diesen Dingen war es jedoch vor allem der günstige Preis, der Michael überzeugen konnte: ”Ich fuhr damals einen 730iA E32 mit LPG-Anlage im Alltag. Irgendwann aber wollte ich etwas Jüngeres und Moderneres haben. Mein Bruder fand den 5er im Internet. Wir fuhren gemeinsam hin und sahen uns den Wagen an. Er war so günstig, dass ich einfach zuschlagen musste”, erzählt der BMW-Enthusiast.

Das war im Jahr 2006. Bis heute hat der E39 viele Modifikationen erfahren. ”Es sollte zwar ein Alltagsauto bleiben, aber ich hatte von Anfang an vor, es meinen Wünschen entsprechend zu individualisieren”, beginnt der Student, der auch auf den einschlägigen Szene-Websites als ”Becha” mit seinen Fahrzeugen bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat, seine Ausführungen. ”Mein aufwändigstes Vorhaben betraf den Umbau der Antriebseinheit. Ich war das Automatikfahren einfach leid. Außerdem habe ich rund 40.000 Jahreskilometer für den Wagen einkalkuliert. Mit der Automatik wären mit Sicherheit nach ein paar Jahren massive Probleme mit der Haltbarkeit aufgetreten. Selbst der Hersteller spricht davon, dass diese Getriebe nur für etwa 200.000 Kilometer ausgelegt sind. Also beschloss ich, den 5er auf ein manuelles Sechsgang-Getriebe umzurüsten.”

Zu diesem Zweck erwarb Michael einen weiteren 540i als Spenderfahrzeug. Das Gute daran: Es hatte nur 89.000 Kilometer gelaufen und war somit prädestiniert für die geplante Organtransplantation. Von diesem BMW entnahm der Kfz-Chirurg den 4,4-Liter-Achtzylinder mitsamt der angeflanschten Sechsgang-Box und montierte sie in seinen Individual. Allein starten wollte das Triebwerk nicht auf Anhieb, obwohl sämtliche Steuergeräte, ja sogar das Zündschloss mit Schlüsseln übernommen wurden. Der Grund: ”Der Kabelbaum der Automatik-Version unterscheidet sich von dem des Handschalters. Der 540iA hat ein zusätzliches Relais, welches zum Motorstart vom Getriebe-Steuergerät freigeschaltet werden muss. Dies geschieht nur dann, wenn der Wählhebel auf Position P steht. Da ich aber nun ein anderes Getriebe eingebaut habe, erhielt das Relais das entsprechende Signal nicht. Ergo habe ich es überbrückt, ein weiteres Kabel zum Zündschloss verlegt, und schon sprang der Motor an”, beschreibt Michael diesen erleichternden Moment der erfolgreichen Fehlerbehebung.

Der V8 selbst blieb unterdessen im Serienzustand. Allerdings trägt eine LPG-Autogasanlage erheblich zur Kostenreduktion bei, die der Vielfahrer seinem Kilometerfresser spendierte. Eine schönere Akustik garantiert der originale Endschalldämpfer des 400 PS starken M5 der Baureihe E39. Von diesem Bodengeschoss stammt im Übrigen auch das Aerodynamikpaket, das Michael nachrüstete. Es besteht aus Schürzen, Schwellern, Heck-Abrisskante und Außenspiegeln. Eine Spezialität Michaels ist in den Bi-Xenon-Scheinwerfern zu finden, wo reinweiße Coronaringe anstelle der funzeligen Serienringe Eindruck schinden.

Weitere für den BMW-Fan typische Merkmale findet man im Interieur. Dieses empfängt seine Gäste mit einer atmosphärischen Beleuchtung in Weiß und Blau, seitdem der Gütersloher die markentypisch magmarote Serienbeleuchtung über Bord warf. Außerdem bereicherte er die Fahrgastzelle um schwarzes Holzdekor, eine Mittelarmlehne mit beleuchtetem Fach, einen automatisch abblendenden Innenspiegel (M3 E46), das große Navigationssystem ”Professional” der Generation MK4 mit TMC-Stauumfahrung und ein Lenkrad aus dem M3 E92 mit Doppelkupplungsgetriebe DKG. Der Clou daran: Nach einem entsprechenden Eingriff fungieren dessen Schaltwippen als Blinkerbetätigung.

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal dürften die riesigen Felgen von Porsche sein, die der 26-Jährige mittels Adapterplatten von H&R an die Achsen schraubte. Diese Hilfsmittel waren nötig, da die Lochkreise von 5 x 130 nicht mit dem gängigen BMW-Maß von 5 x 120 übereinstimmten. Trotz der beträchtlichen Größe der Räder von 8,5J x 20 Zoll an der Vorderachse und 11J x 20 Zoll an der Hinterachse, ließ es sich Michael nicht nehmen, seinen 5er mit einem KW-Gewindefahrwerk eine Etage tiefer zu positionieren. Dieser Eingriff setzte gleichzeitig einen gekonnten Schlusspunkt auf dem Weg zu mehr Eigenständigkeit, die mit den gewählten Zutaten nun eindeutig gegeben ist.

Manche mögen sich dennoch fragen, warum Michael nicht gleich den erwähnten Handschalter, der als Teilespender zu Rate gezogen worden war, behalten hat. Seine nachvollziehbare Antwort: ”Darum geht es doch gar nicht. Ich möchte mit meinen Umbauten ausloten, was technisch möglich ist – und ich möchte in dem, was ich tue stetig besser werden. Deshalb habe ich mir die Mühe gemacht.” Und da der Bastler bereits in Gedanken an neuen Projekten schraubt, gehen wir fest davon aus, dass Michael uns noch häufiger zum Staunen bringen wird – sei es mit einem Show-Car oder Alltagsfahrzeug!

Weitere Infos zu diesem Fahrzeug gibt ´s in BMW SCENE Ausgabe 01/11!

Von: Marcel Kühler

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