Burnout-Syndrom

BMW M3 (E36, US-Modell), Baujahr 1997

BMW M3 (E36, US-Modell), Baujahr 1997

BMW M3 (E36, US-Modell), Baujahr 1997

BMW M3 (E36, US-Modell), Baujahr 1997

Fotos: Deniss Podnebess

Eigentlich hat der für den amerikanischen Markt vorgesehene M3 nicht viel mit dem uns bekannten Topmodell der Baureihe E36 zu tun. Denn der Motor des US-Modells unterscheidet sich gänzlich vom uns bekannten Sportlerherzen. Unter der Haube arbeitete nicht der hochdrehende und mit einer Einzeldrosselklappen-Anlage ausgerüstete Sechszylinder des Typs S50. Für die USA entwickelte BMW seinerzeit ein spezielles Triebwerk auf Basis des 2,5 Liter großen M50 beziehungsweise später auf Basis des 2,8-Liter-M52 (mit VANOS auf der Einlassseite). Beide Versionen lieferten serienmäßig 240 PS ab. Davon ist Maxim Citovichs Exemplar meilenweit entfernt.

Der Lette kaufte seine Limousine im Jahr 2008. Der Grund: ”Das Fahrzeug habe ich sehr günstig bekommen. Wegen eines kleinen Unfallschadens wollte der Vorbesitzer den M für 9.000 Euro abgeben. Ansonsten war er aber gut in Schuss und hatte eine reichhaltige Ausstattung. Und da ich eh vorhatte, den Wagen komplett umzustricken, habe ich halt zugeschlagen”, erinnert sich der 29-Jährige an die Kaufumstände. Seine Pläne sahen vor, sowohl in die Technik, als auch ins Blech einzugreifen. Und zwar massiv, wie sich auch anhand der Report-Facts erkennen lässt.

Das Kernstück des Umbaus ist zweifelsohne der Motor. Diesen setzte der Schrauber, der selbst Inhaber einer freien, auf BMW spezialisierten Werkstatt ist, mit zwei Turboladern von KKK und Garrett gehörig unter Druck. Weitere Zutaten, die dem 3.152 Kubikzentimeter großen Triebwerk auf die Sprünge helfen sollten: Ladeluftkühler, Hochleistungs-Kraftstoffpumpe von Walbro, Hochleistungs-Einspritzdüsen von RC-Engineering, VEMS-Motorsteuerung, und eine komplett eigens konstruierte Abgasanlage inklusive Fächerkrümmer aus Edelstahl. Entsprechend gewaltig viel der Leistungssprung gegenüber der Basis in der Folge aus. Beim beherzten Tritt aufs Gaspedal fallen laut Besitzer nun 481 PS und bis zu 640 Newtonmeter über den Antriebsstrang und die sichtbar um Gnade flehenden Hinterräder her.

Obwohl letztere mit einer Breite von 285 Millimetern alles andere als zierlich ausfielen, haben sie der motorischen Gewalt des laut aus dem Blow-Off-Ventil von TiAL zwitschernden Sechszylinders nicht viel entgegenzusetzen, wie auch das Aufmacher-Motiv dieses Story zeigt. Dennoch ist der M3 keiner, der sich nicht auch zu benehmen weiß: ”Mir war es auch wichtig, dass sich der Wagen problemlos im Alltag fahren lässt. Deshalb wurde die Motorsteuerung so ausgelegt, dass die Kraft jederzeit sehr gut dosierbar bleibt”, erklärt der Rennsport-Enthusiast, der als absolutes Traumauto den M1 nennt.

Die jüngst offiziell gewordene Rückkehr BMWs in die DTM dürfte gerade auch bei Maxim für große Freude gesorgt haben. Denn wie er selbst angibt, ließ er sich von dieser bei Fans äußerst beliebten Tourenwagen-Rennserie beim Aufbau der Karosserie inspirieren. Dies macht sich vor allem durch die deutlich gewachsenen Dimensionen des E36 bemerkbar, die das selbstkonstruierte Breitbau-Kit mit sich bringt. Zusätzliche modellierte Maxim die Front um. Sie verfügt nach dem Umbau über eine in Blech verlängerte Motorhaube, die ohne Markenemblem auskommt, Hella-Scheinwerfer mit Coronaringen sowie Klarglasblinker und Nebelscheinwerfer. Auch das dralle Heck kommt mit weiteren Modifikationen daher. Neben dem Fehlen des Emblems und Kofferraumschlosses fallen hier schwarze Rückleuchten von FK Automotive, der Rieger-Heckflügel und die Heckscheibenblende desselben Anbieters ins Auge.

Schaut man sich die Autohistorie des Letten an, wird schnell klar, dass der Mann bei seinen Fahrzeugen stets großen Wert auf überragende Leistungsfähigkeit legte. Ein zuvor in seiner Garage anzutreffendes 3er E30 Cabrio mit aufgeladenem M30-Sechszylinder oder ein M5 E34 mit Turbotechnik, den Maxim ebenfalls einmal besaß, nähren diesen Eindruck. Aber er ist auch Genießer. Deshalb beließ er es im Falle seiner Limousine im Innenraum bei der noblen Lederausstattung und den zahlreichen Komfortmerkmalen, anstatt ein karges Rennambiente zu schaffen. Dazu passt auch, dass der Musikliebhaber die Audio-Anlage seines BMW mit einer Pioneer-Headunit sowie klanggewaltigen Komponenten von Hertz (Lautsprechersysteme vorn und hinten, Subwoofer) und Hifonics (zwei Verstärker und Kondensatoren) von Grund auf neu konzipierte.

Eine interessante Geschichte ist übrigens auch, was Maxim als erstes nach dem Kauf mit seinem damals noch serienmäßigen M3 gemacht hat: ”Kaum habe ich das Auto abgeholt bin ich auf einen großen Parkplatz gefahren. Dort habe ich die Räder durchdrehen lassen und ein paar Donuts gedreht. Nur so aus Spaß!” Wir gehen fest davon aus, dass es für dieses Art von Burnout-Syndrom wenig Heilungschancen gibt...

Weitere Infos zu diesem Fahrzeug gibt ´s in BMW SCENE Ausgabe 01/11!

Von: Marcel Kühler

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