Bayerischer Silberpfeil: BMW M3 (E30)

Fotos: Dieter Debo

Silber ist eine Farbe, mit der der M3 E30 eigentlich nie etwas anfangen konnte – als erfolgreichster Tourenwagen aller Zeiten jagte er stets dem goldenen Siegerpokal hinterher, und meistens bekam er ihn auch. Dabei steht ihm ʺLachssilber metallicʺ ebenfalls ausgezeichnet, wie das Prachtexemplar des chemnitzer BMW-Enthusiasten Frank Kühn beweist.

Manchmal wiederholt sich die Geschichte: BMW kämpft in der Formel 1, der sogenannten ʺKönigsklasse des Motorsportʺ, um Punkte, Siege und nicht zuletzt auch das Ansehen bei Automobilisten aus aller Welt. Es läuft alles andere als schlecht, als die Verantwortlichen von jetzt auf gleich den Stecker ziehen und das Engagement in der Monoposti-Weltmeisterschaft abrupt beenden. Wenig später gibt der traditionsreiche Autobauer bekannt, sich wieder verstärkt dem Tourenwagensport widmen zu wollen. Ein Engagement in der DTM ist zu diesem Zeitpunkt längst beschlossene Sache. Kommt ihnen dieser Hergang nicht nur aus der jüngeren Vergangenheit bekannt vor? Wenn ja, kennen Sie sich zweifelsohne gut in der Historie der Marke BMW aus. Denn ein ähnliches Szenario hatten Fans des rotierenden Propellers bereits in den Achtziger Jahren zu verdauen. 1982 stiegen die Münchner als Motorenhersteller in die Formel 1 ein und belieferten zunächst Brabham mit einem 1,5-Liter-Turbo-Vierzylinder, der anfänglich etwa 650 PS leistete. Konstruiert wurde jener Vierventiler von – wie sollte es auch anders sein – dem erfahrenen Motoren-Papst Paul ʺNocken-Pauleʺ Rosche. Gleich in seinem ersten Einsatzjahr fuhr der Brabham-BMW einen Sieg ein. Nelson Piquet raste in Kanada der Konkurrenz davon und überquerte die Ziellinie als Erster. In der darauffolgenden Saison krönte sich der exzentrische Brasilianer auf eben jenem Turbo-Monster zum Weltmeister. Was folgte, war ein steter Abstieg. Zwar belieferte BMW das Brabham-Team weiterhin mit Motoren, ernsthaft ein Wörtchen um die Weltmeisterschaft mitreden, vermochte die deutsch-britische Allianz jedoch nicht mehr. Hinter den Kulissen war der Ausstieg aus der Formel 1 indes bereits besiegelt. 1987 war dann offiziell Schluss. In der Zwischenzeit konzentrierte sich BMW Motorsport bereits auf die Entwicklung eines kompakten Tourenwagens, der auf Anhieb konkurrenzfähig sein sollte. Rückblickend muss man sagen, dass der F1-Rückzug ein absoluter Glücksgriff war. Denn dieses Umdenken der Sport-Verantwortlichen bescherte nicht nur Markenfans eines der wichtigsten und faszinierendsten Fahrzeuge aller Zeiten: den BMW M3.

Äußerlich den herkömmlichen Varianten der damaligen 3er-Reihe in Teilbereichen überaus ähnlich, stellte der M3 eine aufwändige Neukonstruktion dar, die nur zu einem Zweck geschaffen wurde: Erfolg auf der Rennstrecke. Entsprechend achtete man bei der BMW Motorsport GmbH nicht nur auf ein möglichst geringes Gewicht, sondern auch auf eine effiziente Aerodynamik. Sichtbar werden diese Bestrebungen anhand der markanten Frontschürze oder auch der flacheren Heckscheibe, die das Anströmen des auffälligen Heckflügels begünstigen sollte. Dazu verfügt der M3 gegenüber den normalen 3ern über eine wesentlich breitere Spur, was ihm jene ausgestellten Radhäuser einbrachte, die eines der markantesten Merkmale seiner Karosserie sind. Die Antriebseinheit basiert im Wesentlichen auf dem berühmten Vierzylinder des Typs M10, den seinerzeit Paul Rosche und Alexander von Falkenhausen gemeinsam entwickelten. Jenes seit 1961 in Serienfahrzeugen eingesetzte Triebwerk, aus dem übrigens auch der Turbo-Formel-1-Motor der 80er Jahre hervorging, bot mit seiner nachgewiesenermaßen hohen Zuverlässigkeit ideale Voraussetzungen für einen neuen Sportmotor. Kombiniert mit einem gekürzten Kopf des berühmten Vierventil-Reihensechszylinders M88 (M1, M5 E28, M 635CSi), erreichte das anfänglich 2,3 Liter große Aggregat glatte 200 PS (ohne Katalysator). Im Renntrimm brachte es der hochdrehende Vierzylinder auf bis zu 360 PS, dann allerdings – analog zum M3 Sport Evolution – mit 2,5 Litern Hubraum. Am Ende seiner beispiellosen Karriere hatte der M3 E30 über 50 internationale Titel und mehr als 1.500 Einzelsiege einfahren können – ein bis heute ungebrochener Rekord, der dem pausbackigen Zweitürer den immer noch gültigen Titel ʺErfolgreichster Renn-Tourenwagen aller Zeitenʺ bescherte.

Aber auch die Straßenmodelle wussten von jeher zu begeistern. Dank seiner überragenden Fahreigenschaften mauserte sich die Sport-Limousine schnell zum Liebling sportlich ambitionierter Fahrer aller Altersklassen. Vor allem aber ist es BMW gelungen, mit dem zeitlosen M3 E30 ein Fahrzeug auf die zierlichen Räder zu stellen, das auch Jahrzehnte nach seinem Debüt Begeisterungsstürme entfacht. Dementsprechend ist Frank Kühn aus Chemnitz nur einer von vielen Enthusiasten, die dem Klassiker hoffnungslos verfallen sind. Allerdings ist er – im Gegensatz zu zahllosen anderen Fans – in der glücklichen Lage, wann immer er möchte, in sein eigenes Exemplar zu steigen und damit eine flotte Runde zu drehen. Bereits im Jahr 2001 gönnte er sich sein Traumauto. Die Gründe für den gewiss nicht risikolosen Kauf eines M3 lagen auf der Hand: ʺNeben der sagenhaften Optik waren es das Handling und der tolle Hochdrehzahl-Motor, die mich dazu brachten, den Wagen unbedingt haben zu wollen. Ich bin froh, dass ich damals zugeschlagen habeʺ, erklärt Frank, der seinen lachssilbernen Sportler aus vierter Hand mit rund 132.000 Kilometern Laufleistung erwarb. Da das Fahrzeug mit Winterreifen übergeben wurde, schwante dem 42-Jährigen, dass unter dem Blech möglicherweise einige Rostherde verborgen waren...

Den kompletten Beitrag lesen Sie in BMW SCENE Ausgabe 03/12!

Klassischer Sportwagen mit dezenten Modifikationen: Frank Kühns M3 besticht durch seine schnörkellose Dynamik

Neulackierung in Originalfarbe: Das Werk verließ der Sportler in ʺLachssilber metallicʺ, Frank ließ das Lackkleid vom Profi erneuern

Moderat tiefergelegt: Dank Eibach-ʺPro-Kitʺ-Federn senkte sich die Karosserie um 30 Millimeter vorn und hinten ab

Aggressives Antlitz: Dunkle Beleuchtungseinrichtung bescheren der Front mehr Überholprestige, die Frontlippe wurde mit Karbon überzogen

Krönender Abschluss: Am Heck sorgen schwarze Startec-Rückleuchten und ein Karbon-überzogenes Flügelblatt für gesteigerte Sportlichkeit

Ein Relikt aus vergangenen Tagen: Die antiquierte Stabantenne passt irgendwie gut zur barocken Optik des Klassikers

Allgäuer Qualität mit italienischem Chic: Die Alpina-Räder erhielten teilweise einen Überzug mit ʺGrigio Undergroundʺ von Fiat

Schön und stark: Das revidierte Vierzylinder-Herz präsentiert sich technisch und dank der blau pulverbeschichteten Teile auch optisch in Bestform

Gepflegter Innenraum mit authentischer Patina: Die Teilleder-Ausstattung ist gut erhalten, die Fahrer-Fußmatte hat ihre besten Zeiten hinter sich

Kombiinstrument mit besonderem Flair: Die roten Zeiger sind seit jeher typisch für ein Fabrikat der BMW M GmbH

Besonderes Schaltschema: Für einen schnelleren Übersetzungswechsel liegt der erste Gang beim Sportgetriebe unten links

Die wilden Siebziger: Das Pepita-Muster war in den 1980er Jahren längst nicht mehr so angesagt wie im Jahrzehnt davor

Man at Work: Frank Kühn bewerkstelligte die Restauration seines M3 weitgehend in Eigenregie

Ein wahrer Enthusiast: Der sympathische Chemnitzer Frank Kühn nutzt seinen geliebten M3 freilich nicht im Alltag

Von: Marcel Kühler

Kommentare aus der Community

Sie sind nicht angemeldet. Nur angemeldete User können Kommentare schreiben und beantworten.

Zur kostenlosen Registrierung geht´s im Bereich Community.

Bereits registriert? Dann melden Sie sich über das Formular in der linken Spalte an und schreiben Sie hier Ihren Kommentar!

motorfacts.deAUDI SCENEPORSCHE SCENEflash OPEL SCENEVW SCENEEASYRIDERSYOUNGTIMER SCENEHARDWOK