Aus dem Nichts

BMW 320i (E30), Baujahr 1988

BMW 320i (E30), Baujahr 1988

BMW 320i (E30), Baujahr 1988

BMW 320i (E30), Baujahr 1988

Fotos: Marcel Kühler

Was werden wir doch heutzutage verwöhnt von modernen Autos. Es läuft kaum mehr ein Fahrzeug vom Band ohne jede Menge sinnigen Schnick und unsinnigen Schnack, der uns das Fahren so angenehm wie möglich machen soll. Das war vor gar nicht allzu langer Zeit noch anders. Beispielsweise bei der 3er-Reihe E30, die immerhin bis 1994 (Touring; die Limousinen fertigte BMW bis April 1991) gebaut wurde. Klimaanlage, Sitzheizung, Servolenkung, ja sogar elektrische Fensterheber waren in den wenigsten Fahrzeugen – gerade in den Limos – zu finden. Zu teuer waren vielen Kunden diese, heute selbst bei Kleinwagen schon selbstverständlichen Extras seinerzeit in der Anschaffung. Auch der 320i, den Marek Bielski sich vor rund 12 Jahren als Basis für sein Projekt an Land gezogen hatte, war weitestgehend ”nackt” ausgeliefert worden. Die einzige Ausnahme der Kargheit: Der schwarze Zweitürer hatte ein elektrisches Schiebedach zu bieten.

Das konnte so natürlich nicht bleiben! Allerdings hatte Marek keineswegs vor, ”nur” mehr Ausstattungsfeatures in seinen 3er zu implementieren. Vielmehr stand eine komplette optische wie technische Umgestaltung auf seiner Agenda. Zu diesem Zwecke zerlegte der BMW-Fan aus Stein bei Nürnberg den E30 zunächst in seine Bestandteile und schickte den zwar seidig weich laufenden, aber doch etwas schwachbrüstigen 2,0-Liter-Motor des Typs M20 in Rente. Der Plan der Franken sah indes nicht vor, ein exotisches Motor-Upgrade ins Konzept einfließen zu lassen. Vielmehr entschied er sich dafür, die verdiente 2,5-Liter-Variante des M20-Reihensechszylinders als Kraftquelle zwischen die Stehwände zu setzen – mit entsprechender Fünfgang-Box und Hinterachsgetriebe, welches einen Deckel mit Kühlrippen bekam. Das Triebwerk selbst blieb mit Ausnahme eines Kaltstartreglers für eine steuergünstigere Einstufung in Euro 2 im Serienzustand. Dafür wurde es genau wie das Getriebe in der späteren Wagenfarbe, einem eigens angemischten Perleffektlack, lackiert und in Teilen mit glanzschwarzer Farbe abgesetzt.

Weiter ging´s mit dem Fahrwerk. Der Vorbesitzer hatte bereits sportliche Koni-Dämpfer und dazu passende Federn eingebaut, die den 3er um 60 Millimeter vorn und 40 Millimeter hinten tieferlegten. Marek erweiterte dieses Setup seinerseits um Sturzkorrekturlager und Querlenkerlager vom M3 E30 Sport-Evo, Gruppe-N-Hinterachslager sowie Stützlager vom 3er E36. Den Vorderwagen versteifte er mit einer mehrteiligen Federbeinbrücke von AC Schnitzer. Um das Rangieren zu erleichtern, rüstete der 35-Jährige, der als Chauffeur und Hausverwalter seine Brötchen verdient, die Servounterstützung für die Lenkung nach. Gelochte Zimmermann-Bremsscheiben rundum, die von rot lackierten Sätteln in die Zange genommen werden, gewährleisten ein zusätzliches Maß an Sicherheit. Wie sorgfältig Marek beim Aufbau des 3ers vorgegangen ist, beweist auch, dass er sogar die Hinterachsschwingen in Wagenfarbe lackierte.

Die darauffolgende Phase galt dem Umbau der Karosserie. Und der fiel ziemlich umfangreich aus: Eine M-Technik-II-Frontschürze mit angepasstem Alpina-Spoiler, schwarze Hella-Scheinwerfer und schwarze Frontblinker bescherten dem BMW ein schärferes Front-Profil. In die vom Emblem befreite Motorhaube arbeitete Marek einen Entlüftungsschlitz ein. Dieser ist allerdings nicht eingeschweißt, sondern in mühevoller Arbeit ins Blech getrieben worden. Die Flanken erhielten durch die Verbreiterungen des E30-ix-Modells und das Entfernen der Stoßleisten sowie der Türschlösser und der Griffmulde des Tankdeckels ein markanteres Erscheinungsbild.

Die mit M3-Look-Außenspiegeln ausgerüsteten Türen öffnen dank eigens angepasster Universal-Beschläge von LSD nach Lamborghini-Art nach oben in Fahrtrichtung. Das ebenfalls vom Markenemblem befreite Heck erweist sich dank eines M-Technik-Flügels, roten MHW-Rückleuchten samt roter Kennzeichenblende und einer M-Technik-Schürze, deren Auspuffausparung wegen des verbauten Eisenmann-Endschalldämpfers leicht versetzt werden musste, als veritabler Hingucker. Dies gilt natürlich auch für die gewählte Außenfarbe. Sie wurde speziell für Mareks BMW angemischt und schimmert je nach Lichteinfall in einem Blutorangenrot mit leichtem Goldeinschlag. Der Grill, die Nieren, die untere Kante am Frontspoiler, die Wischerarme sowie die Windlaufgitter, Spiegeldreiecke, sämtliche Zierleisten und der untere Teil des Heckflügels heben sich durch ihre Lackierung in Glanzschwarz davon ab. Karbonlook-Folie an den B-Säulen-Verkleidungen rundet die gelungene Optik des auf 17-zölligen Einteilern von Fittipaldi stehenden Münchners ab.

Was nun noch blieb, war die Baustelle Innenraum. Dieser sollte an das dynamische Äußere angepasst werden. Einen sehr guten Schritt in diese Richtung stellte schonmal das Entfernen der Rückbank und die Installation einer geschraubten Wiechers-Sicherheitszelle dar, die eine ordentliche Prise Rennsport versprüht. In dieselbe Kerbe schlagen die nachträglich montierten Recaro-Sitze samt Schroth-Hosenträgern, das kleine Momo-Lenkrad sowie die Alu-Pedale. Die restlichen Modifikationen sind allerdings gänzlich anderer Natur. So sind neben dem mit Airbrushes verzierten Alpina-Kombiinstrument und den ebenso veredelten Alpina-Zusatzinstrumenten nun in dem ursprünglich kargen Cockpit elektrische Fensterheber und ein großer Bordcomputer zu finden. Und auch die Audio-Abteilung erfuhr mit einer Clarion-Headunit, Magnat-Verstärkern sowie Lautsprechersystemen von Alpine und Pioneer eine gehörige Aufwertung. Weitere Komponenten, wie der in Wagenfarbe gehaltene CD-Wechsler oder der JBL-Subwoofer wanderten ins ausgebaute Gepäckabteil, wo sie in Gesellschaft von zwei ebenfalls in Wagenfarbe lackierten Kühlschränken und einer Plasmakugel ihre Arbeit verrichten.

Wer nun glaubt, dass dieses aufwändige Projekt das teuer bezahlte Werk zahlreicher Dienstleister ist, dem sei von Marek gesagt: ”Bis auf die Lackierung habe ich die Umbauten komplett selbst vorgenommen. Dennoch möchte ich einigen Leuten für ihre Unterstützung danken: Norbert R. für das Vermitteln von technischem Know-How, Michi K. für ein paar sehr gute Ideen und deren Umsetzung, Robert Kaundert und Brandon für die Lackierung und natürlich meiner Frau Christina, die meine Passion immer unterstützt hat”, zeigt sich der Vater zweier Jungs erkenntlich – was durchaus sinnvoll ist. Denn wer weiß, vielleicht ist er künftig bei der Umsetzung neuer Pläne wieder auf die Hilfe seiner Buddies angewiesen...?

Weitere Infos zu diesem Fahrzeug finden Sie in BMW SCENE Ausgabe 01/11!

Von: Marcel Kühler

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